Konstantin Wecker
Thomas Karsten

Konstantin Wecker

Kein perfektes Leben
Der Bühnenwahnsinnige Konstantin Wecker schenkt sich und uns zum 70. „Poesie und Widerstand“.

Konstantin Wecker, Liedermacher, Poet, Aktivist und bekennender Anarchist, wurde am 1. Juni 70 Jahre alt. Auf seinem Geburtstagsalbum „Poesie und Widerstand“ singt er wieder gemeinsam mit vielen Gastmusikern mächtig und ausdrucksvoll gegen die Verhältnisse an. Der streitbare Künstler erhielt kürzlich den Deutschen Kleinkunstpreis 2017, den Ehrenpreis des Landes Rheinland Pfalz 2017, sowie den Bayerischen Staatspreis 2017. SCHALL. sprach mit dem vor Vitalität strotzenden Wecker über die Vorzüge des Älterwerdens, Nationalismus und Hoffnung.

Für Ihr Geburtstagsalbum „Poesie und Widerstand“ haben Sie 31 Ihrer persönlichen Lieblingstitel live in einem Münchner Tonstudio neu eingespielt. Haben Sie vor allem jene Ihrer Lieder ausgesucht, die heute noch aktuell sind?
Das spielte natürlich auch eine Rolle. Wobei ich bei der Durchsicht der wichtigsten Titel festgestellt habe, es gibt kaum welche, die heute nicht wieder aktuell sind. Ich habe mich beim Schreiben nie an die bestehende politische Situation gehalten. Ich wollte für mein Publikum endlich auch mal eine CD machen mit Liedern, die es im Konzert hören kann. Dabei hat sich herausgestellt, wie man alte Titel wieder völlig neu beleben kann. Wir haben in zwölf Tagen diese 31 Lieder live im Studio eingespielt. Das ging, weil wir sie auch wirklich kennen.

Sie stehen seit 50 Jahren auf der Bühne, aber von Tourmüdigkeit ist bei Ihnen keine Spur. Wie kommt‘s?
Das Heftigste war bis jetzt meine „Wut und Zärtlichkeit“-Tournee vor drei Jahren. Sie ist nicht mehr zu toppen. Damals lebte Dieter Hildebrandt noch, und ich wollte vor ihm ein bisschen angeben: „Du, Dieter, ich habe im letzten Jahr 120 Konzerte gehabt.“ Da schaute er mich aus seinen ironisch-witzigen Augen an und sagte: „Konstantin, ich hatte 160 Auftritte!“ Er war damals 85. Es reicht mir zu wissen, dass es möglich ist. Und mein erster großer Förderer Hanns Dieter Hüsch hat es sogar geschafft, im Jahr an die 370 Auftritte zu spielen.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 9 (Sommer 2017).

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