Kraftklub
Philipp Gladsome

Kraftklub

Die Prolls aus der Zone
Wenn schon polarisieren, dann Kraftklub.

Kraftklub 2017. Die Bomberjacken sind jetzt rot. Ein nächtliches Feld, niedergetretenes trockenes Gras. Vor einer nur zu erahnenden bizarren Stahlkonstruktion ein riesiges hölzernes „K“. Davor ein Streichorchester, davor wieder vier Musiker an Flügel, Gitarre und zwei mächtigen Pauken, vor ihnen Sänger Felix Brummer. Die Streicher eröffnen. Harmonisch, aber treibend, leicht bedrohlich. Brummer erzählt mit klagender Stimme die Geschichte vom Ende seiner großen Liebe. Ja, man habe sich auseinandergelebt. Aber jetzt ist sie zusammen mit seinem besten Freund. Und, ja, das tut weh.

Oha, denkt es im Hörer. Nun hat das System sie erwischt. Sind sie doch aufgesprungen auf den Zug der gefühligen Innerlichkeit, nun werden sie sich für alle Grobheiten entschuldigen, nach Berlin ziehen und gemeinsam mit Tim Bendzko die Welt retten. Ein Seufzer entrinnt der Hörerbrust, als Felix Brummer sich mit großen treuen Augen daran erinnert, dass sie ihn doch mal gebeten hatte, ihr um seiner Liebe willen ein Lied zu schreiben. Der Pianist unterstreicht mit einer lyrischen Figur à la Richard Claydermann. Jetzt, singt Brummer, sei das Lied fertig. Er hat plötzlich ein leises Lächeln auf den Lippen: „Na, dann dreh mal die Anlage auf, geh auf den Balkon, breite die Arme aus und sing zu deinem Song!“ Noch immer ahnt keiner Böses. Doch die hinterfotzigen Chemnitzer haben uns längst kräftig am Allerwertesten gefasst. Zu donnernden Pauken vor jetzt böse brennendem „K“ triumphiert Felix, noch immer mit dem Blick voller Unschuld: „Du verdammte Hure, das ist dein Lied!“ Wow. Das sind sie wieder. Die Prolls aus der Zone. Das Phänomen aus der Stadt mit K: Karl-Marx-Stadt. Das wird wieder hübsch polarisieren, nun sind sie auch noch Frauenfeinde. Die Reihen derer, die es schon immer gewusst haben, stellen sich bereits auf. Herr Poisel soll beim Hören sehr, sehr betroffen geguckt haben.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 8 (Frühling 2017).

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