GLASHAUS
Chris Gonz

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Mit voller Kraft.

Moses Pelham dürfte vielleicht der unterschätzteste Musiker und Produzent, Rapper und Labelbesitzer sein, den das Land hat. Dabei ist er gleichzeitig einer der wichtigsten und einflussreichsten – und der am meisten missverstandene. Zumindest bis er 1999 zusammen mit seinem Freund und langjährigen Partner beim Produzieren und Komponieren, Martin Haas, und Sängerin Cassandra Steen GLASHAUS gründete.

Für alle, die hören wollten, wurde damals klar, dass in dem Mann, der Stefan Raab mal das Nasenbein brach, der als Rapper Moses P. mit dem Rödelheim Hartreim Projekt das erste Mal glaubwürdige Härte in den deutschen Rap brachte und der daraufhin Sabrina Setlur und Xavier Naidoo entdeckte, für sie schrieb und produzierte, so viel mehr steckte, als man hätte ahnen können: Eine tiefe Seele, die bis zum ersten Album der Band von 2001 nur tief versteckt geruht hatte, und nun endlich das passende Projekt gefunden hatte, um sich auszudrücken, noch mehr und noch intensiver als auf seinen drei „Geteiltes Leid“-Soloalben. Die deutschsprachige Soulmusik von GLASHAUS war damals etwas völlig Einzigartiges und vollendete die Entwicklung, die Moses in den ganzen 90er-Jahren durchlaufen hatte.

Aber Geschichten wie der Rechtsstreit mit Ralf Hütter wegen eines zwei Sekunden langen Samples aus Kraftwerks „It’s more fun to compute“ (der nach 16 Jahren vom Bundesgerichtshof zugunsten von Moses entschieden wurde), ebenso wie der lange Streit mit Xavier, der im letzten Jahr mit „Nicht von dieser Welt 2“ öffentlich beigelegt wurde, prägten die öffentliche Wahrnehmung von ihm weiterhin mehr als die Musik, die die wahre Geschichte des Moses Pelham erzählt. Schuld daran war vielleicht auch die lange Pause der Band, die nach drei Alben mit Cassanda Steen und einem mit Peppa als neuer Sängerin acht Jahre lang auf Eis lag.

Mit „Kraft“, dem neuen, fünften GLASHAUS-Album ist es an der Zeit, ein weiteres Mal zu zeigen, was in diesem Mann wirklich vor sich geht. Natürlich werden auch die neuen Lieder niemanden, der ein festes Bild von ihm hat, davon abbringen können, aber um die geht es ihm eh nicht. SCHALL. traf Cassandra, Martin und Moses in den Räumen des 3p-Labels in Frankfurt, um mit ihnen über die Musik, die Kunst und den ganzen Rest zu reden.

Man stellt sich ja vor, dass ihr nur Musik macht, dass ihr, wann immer es geht, im Studio seid und schraubt.
Martin: Ja, das ist nach wie vor so. Unaufhörlich, ohne Pause. Aber ich bin auch seit 2004 als Lehrbeauftragter an der Hochschule Darmstadt – Mediencampus. In verschiedenen Bereichen. Sowohl Animation & Game, Sound and MusicProduction und Interactive MediaDesign. Seit 2015 habe ich da eine Vertretungsprofessur inne – ich bin dort im Schnitt ein bis zwei Tage die Woche tätig. Aber wenn wir nicht beide im Studio sind, ist Moses trotzdem bei sich zu Hause dabei, an Sachen zu feilen. Die gemeinsame Zeit versuchen wir dabei so effektiv wie möglich zu nutzen.

Was ich mir relativ einfach vorstelle, so lange wie ihr schon zusammenarbeitet.
Martin: Das hat sich sehr gut eingespielt, ja.

Moses, gibt es bei dir etwas, was dich auch nur ansatzweise so beschäftigt wie deine Musik? Man weiß nichts davon bei dir.
Moses: Ich finde es ganz angenehm so. Gerade eben, im Radio, habe ich wieder von Promis gehört, die … ach, allein das Wort „Promi“ ist schon so fürchterlich. Ich will überhaupt kein Promi sein. Ich will Mucke machen. Ich beschäftige mich damit, seit ich zwölf bin. Das ist für mich der einzige Grund, in der Öffentlichkeit zu stehen: Das gehört zu meiner Tätigkeit, die ich wie nichts anderes auf der Welt liebe. Aber es ist null so, dass ich mich danach sehnte, im Fernsehen zu sein und intimste Details auszuplaudern. Das tue ich in meiner Kunst. Mehr als man es normalerweise täte. Aber das ist der Witz daran – dass man schonungslos ausschüttet, was einen bewegt. Was man ja auch oft erst versteht, wenn man es schwarz auf weiß vor sich hat. Ich offenbare da so viel von mir selbst, dass ich finde, dass das auch langt.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 8 (Frühling 2017).

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