Westernhagen
Virgin Records

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Let it happen!
Über Teamwork, Visionen und eigene Ansprüche: Westernhagens „MTV Unplugged“ aus der Berliner Volksbühne.

Mit Fatih Akin als Regisseur und gewohnter Sturheit hat Marius Müller-Westernhagen auch bei „MTV Unplugged“ sein Ding durchgezogen und seine Vorstellungen umgesetzt. Für Kompromisse war er ja noch nie bekannt. Daher findet man auch nur ausgewählte Gäste bei diesem Projekt, wie zum Beispiel Westernhagens alten WG-Kumpel Udo Lindenberg – am Schlagzeug. Wir störten Marius kurz in den Berliner Red Bull Studios, wo er gerade dabei war, die DVD abzumischen, um mehr zu erfahren.

Wie beginnt ein „MTV Unplugged“? Fragt MTV an und möchte, dass ein Konzert gespielt wird?
Das ist in meinem Fall eine lange Geschichte. Vor vielen Jahren wurde ich gefragt, „MTV Unplugged“ zu spielen, und soweit ich mich erinnern kann, war ich auch der erste Deutsche, der gefragt wurde. Davon war ich damals aber total überfordert, denn ich begann gerade, in Stadien zu spielen. Es war mir zu viel. Ich hatte wahrscheinlich auch noch nicht das Selbstbewusstsein für dieses Format ...

Das kann man sich eigentlich nicht vorstellen …
… aber dann kam über die Jahre immer mal wieder die Rede darauf. Wieweit MTV heute von Anfang an involviert ist, weiß ich nicht, inzwischen hat sich der Ablauf geändert. Jetzt fragt eine Plattenfirma an, die mit MTV zusammenarbeiten möchte. Und MTV war begeistert: „Endlich machen wir das!“
 
Und wie haben Sie dieses Mal reagiert?
Mit den Musikern, mit denen ich zusammenarbeiten darf – das muss man wirklich so sagen: darf – war mir das eine Freude. Aber was die Produktionsbedingungen angeht, dachte ich anfangs, ich werde verrückt. Anscheinend macht man heute sehr schnell und billig. Dabei ist „MTV Unplugged“ eine große Herausforderung. Man muss an sein Material völlig neu und mit anderer Instrumentierung herangehen.

Man lernt seine eigenen Lieder wahrscheinlich neu kennen.
Ja, denn man muss wie für eine Retrospektive seinen ganzen Katalog durchhören, von vorne bis hinten, durch alle Zeiten. Was interessant ist.

Wie ist es, wenn man sich selbst mit 25 hört, mit anderen Gedanken und Vorstellungen, auf einem Lied, das man vielleicht seit zehn, zwanzig Jahren nicht mehr im Ohr hatte?
Die Song-Schreiberei ist immer eine Art Selbstsuche, und natürlich sind die Sachen, die du vor dreißig, vierzig Jahren geschrieben hast, naiver, manchmal auch unreif. Was aber auch kein Nachteil sein muss. Du hast intuitiv Dinge gesagt, die heutzutage viel mehr über den Intellekt laufen. Das kann also ganz erfrischend sein. Und meine Wertvorstellungen und Ideale sind ja die Gleichen geblieben.

Es gab also eine umfassende Vorbereitung?
Mir war klar, dass ich mindestens drei Wochen Probezeit brauche, um das Projekt mit Ernsthaftigkeit zu betreiben und es nicht als ein verkapptes „Best of“ umzusetzen. Ich wollte die Songs nicht spielen wie sonst auch, wie für eine normale Konzertaufzeichnung. Ich wollte Intimität und Wahrhaftigkeit erzeugen durch diese Nähe, die da zwischen den Akteuren und zwischen den Musikern und dem Publikum entsteht. Ich hoffe, wir haben das geschafft.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 6 (Herbst 2016).

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