Sportfreunde Stiller
Chris Gonz

Sportfreunde Stiller

Rausch und Reife
Die Sportfreunde Stiller feiern den Sieg der Gerechten.

Peter S. Brugger, Rüdiger „Rüde“ Linhof und Florian „Flo“ Weber als reine Spaßcombo abzustempeln, wurde ihnen nie gerecht. Auf ihrem aktuellen Album schlagen sie sogar ungewohnt politische Töne an. SCHALL. traf Frontmann Peter Brugger in Berlin-Kreuzberg auf ein Mineralwasser und sprach mit ihm über das 20. Bandjubiläum, Zukunftsängste und Hoffnung.

Es ist eigenartig, wie sehr eine nette, freundliche Band gehasst werden kann. In diesem Sommer, als bekannt wurde, dass die Sportfreunde ein neues Album veröffentlichen werden, tauchten im Netz Artikel auf, die zu begründen versuchten, warum diese Band schon immer schlecht war und man gut daran tut, sie nicht zu mögen. Als ob es eine Leistung oder gar eine Art Verpflichtung wäre. Artikel wie „10 Gründe gegen die Sportfreunde Stiller und ihr neues Video zu ‚Raus in den Rausch‘“. Ein anderer erklärt, warum sie nur „ein bisschen Scheiße sind“. Und auch Jan Böhmermann sowie die Titanic hatten Negatives zu vermelden.

Das Ganze ist dabei mehr als nur ein typisches Netzphänomen – wenn es um Musik geht, war Rechthaberei schon immer eine der wichtigsten Zutaten der Diskussion. Und interessanterweise sind es gerade die Musiker, die am wenigsten Reibungsfläche bieten und die man einfach nur mögen oder gerne ignorieren darf, die, die den meisten Gegenwind ernten. Aber dieser elitäre Snobismus taugt nicht, um Musik zu bewerten, vor allem nicht solche, die genau das Gegenteil ist.

Denn die Sportfreunde Stiller haben sich schon immer vor allem selbst ausgedrückt, nach ihrem Gusto und nach Lust und Laune, und wenn das nicht bei jedem Resonanz erzeugt – dann bitteschön. Niemand muss sie gut finden. Aber weder die Band, noch ihre Fans ließen sich in den letzten zwei Dekaden davon auch nur eine Sekunde beirren. Warum auch – es ist ihre Musik. Deutscher Indie-Rock, der nie nach den Charts geschielt hat und sie trotzdem eroberte. Deswegen ist dieses Jubiläum noch ein weiterer Grund zu feiern: Es ist ein Sieg der Gerechten.

Euer neuestes Werk heißt „Sturm & Stille“. Mit welchem Wort oder Satz fing alles an?
Der Start war, als Rüde uns die erste Idee von „Viel zu schön“ vorspielte. Ich wollte eigentlich noch ein wenig pausieren, aber dann kam Flo gleich mit „Sturm & Stille“ hinterher. Der Song steht für die Zeit, die wir jetzt schon mit dieser Band verbringen. Die Sportfreunde haben stürmische Zeiten und ganz stille Momente gesehen. In den 20 Jahren Bandgeschichte ist ganz schön viel drin.

Das Album beginnt mit „Raus in den Rausch“. Was berauscht dich?
In erster Linie natürlich Musik. Aber mich berauscht auch die Auseinandersetzung mit Worten: das Texten. Wenn es fließt, hat das etwas Rauschhaftes. Und dann berauscht mich, auf der Bühne zu stehen. Hier und da mal ein kühles dunkles Weißbier berauscht mich auch.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 6 (Herbst 2016).

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