Tamara Danz
Silly-Archiv

Tamara Danz

Tamara Danz, 14.12.1952 – 22.7.1996
SCHALL. erinnert anlässlich des 20. Todestages an eine fantastische Künstlerin.

Spätestens 1983, als das Album „Mont Klamott“ erschien, avancierte die Berliner Band Silly zur wichtigsten Band im Osten Deutschlands. Bis heute gelten sie als Institution. Hunderttausende Albumverkäufe, Auszeichnungen wie Band, Album oder Sängerin des Jahres gehörten fortan zum Musikeralltag. Für den Erfolg gibt es einige Gründe, der wichtigste: ihre Sängerin Tamara Danz. Stimmgewaltig und authentisch, bewaffnet mit Charme, Intelligenz, aber auch mit einer ordentlichen Berliner Großschnauze. Wenn sie im Prenzlberg um die Blocks zog, folgte ein Kometenschweif von Fans und Freunden.

Schon früh zeichnete sich ab, dass aus dieser selbstbewussten jungen Dame was ganz besonderes werden könnte. Der Vater hatte was mit Außenhandel zu tun, ihre Kindheit verbrachte die kleine Lenore Tamara zum Teil in Bulgarien und Rumänien. Als es Ende der 60er Jahre im Ostblock rumorte, der Repression jedoch auch eine plötzliche Liberalisierung in Sachen Jugendkultur, Beat etc. folgte, stand sie vor dem Abi. Gemeinsam mit ihrem Lover Uwe Kropinski, der später der Jazzgitarrist im Osten wurde, bevor er auf die andere Seite der Mauer wechselte, sang sie in der Schülerband „Die Cropies“. Es ließ sich gut an, und bald wollte sie nichts anderes mehr machen.

Trotz einer Ablehnung an der Musikhochschule „Hanns Eisler“ sang Tamara weiter in Bands und Singgruppen, darunter in dem damals nicht unpopulären FDJ-Agit-Prop-Kommando „Oktoberklub“: sie war jung und sie brauchte das Geld. 1973 ging es dann schon in die Oberliga des sich etablierenden Ostrocks. Sie sang vier Jahre im Background der schwer angesagten Horst-Krüger-Band, deren „Tagesreise“ eines der schönsten 70er-Genre-Stücke überhaupt ist, vielleicht sogar das Schönste. Hier lernte sie jede Menge Kollegen kennen, denn diese Band funktionierte wie ein Durchlauferhitzer für spätere Stars.
1978 wurde Tamara das Gesicht der „Familie Silly“. Die frisch gegründete Band um Thomas Fritzsching (Gitarre) und Matthias Schramm (Bass) war erstklassig besetzt, aber musikalisch nicht leicht zu fassen. Da gab es freche Texte in der Schule der aufkommenden NDW, etliche groovige Funk- und Boogie-Songs. Der größte Hit dieser Besetzung war jedoch „Ich bin der letzte Kunde“, eine herrliche Blödelnummer, gesungen von Schlagzeuger Mike Schafmeier (der später, seinem Faible folgend, bei den Komikern von MTS landete). Mit dem schlageresken „Gut´ Nacht Amigo“ gewannen sie 1981 die Bratislavska Lyra, das Ost-Pendant des Grand Prix Eurovision de la Chanson.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 5 (Sommer2016).

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