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Megaloh
Robert Winter

Megaloh

Regen in Zeiten der Dürre
Megaloh veröffentlichte Anfang März sein neues Album „Regenmacher“ und stieg damit direkt auf Platz 2 der Charts ein. Zurecht, denn er hat sich musikalisch und persönlich beeindruckend weiterentwickelt.

Der Rapper aus Berlin-Moabit beschreibt den Weg bis zu „Regenmacher“ als einen Reifeprozess, an dessen Ende er die Verantwortung, die er für andere hat, akzeptierte. Um vier Uhr aufstehen und zur Arbeit gehen, ein Vorbild sein, Missstände in der Gesellschaft nicht ignorieren und sich selbst Schwächen und Fehler eingestehen. All das lebt Megaloh nun jeden Tag und er rappt darüber: „Regenmacher“ ist ein untypisches Rap-Album in dieser Zeit geworden. Doch der Erfolg zeigt, dass er damit voll im Zeitgeist agiert.

Wie sähe deine Karriere, dein musikalischer Alltag, ohne Max Herre aus?
Das ist ganz einfach: Ohne Max Herre würde ich wahrscheinlich keine Musik mehr veröffentlichen.  2011 habe ich ihn kennengelernt, an einem Punkt, wo ich aus Frust über den ausbleibenden Erfolg eigentlich schon die Musik an den Nagel gehängt hatte. Aber er hat was in mir gesehen und hat mich unter Vertrag genommen. Jetzt habe ich einfach professionellere Strukturen hinter mir. Max hat zum Teil auch als eine Art Mentorfigur fungiert, weil er sehr viel Wissen über Musik und Hip-Hop hat. Das sind alles Einflüsse und Mehrwerte, die ich für mich generieren konnte, um mit „Endlich Unendlich“ 2013 diese eine Platte zu machen, die letztendlich dazu geführt hat, dass ich jetzt weiterhin Musik machen kann und auch eine Perspektive da ist, von der Musik leben zu können. Ich kann Max Herre aus dieser ganzen Gleichung einfach nicht rausnehmen.

Dein aktueller PR-Text spuckt große Töne: „Das Album soll den Weg frei machen für eine tatsächlich neue Ära im deutschen Hip-Hop.“ Das sind mal Ambitionen.
Ja, nee, wer ist dieser Megaloh überhaupt? Was will der? Was kann der? (lacht) Man sollte sich natürlich nicht zu ernst nehmen, aber wie wahrscheinlich jeder andere Rapper auch habe ich Ziele und Ambitionen. Ich mache es ja nicht nur just for fun, dafür war der Weg zu steinig. Mein Anspruch ist halt groß. Und um ehrlich zu sein, kann ich für den Pressetext nichts, aber viele Leute sehen eben so etwas in mir, anscheinend der, der diesen Text geschrieben hat, auch. (grinst)

Also – hast du nun die Ambition, die deutsche Hip-Hop-Szene umzukrempeln?
Ich bekomme von vielen Seiten das Feedback, dass in mir so etwas wie ein „Trueschooler“ oder „Realkeeper“ gesehen wird, oder wie auch immer du es bezeichnen willst. Ich werde als jemand gesehen, der für Ehrlichkeit und Authentizität steht. Das ist im Grunde mein Image. Gleichzeitig transportiere ich gewisse Hip-Hop-Werte und mein technischer Anspruch ist groß, und die musikalischen Wurzeln meiner Musik schimmern durch. Solche Leute, wie etwa der Schreiber des PR-Textes, glauben dann vielleicht, dass, wenn die Platte genug Erfolg hat, sie auf die Szene vielleicht auch einen Einfluss nehmen kann. Aber mir persönlich ist das egal, ich mache es jetzt nicht für die anderen Rapper, sondern für die Leute und für mich.

Du sagst auf „Regenmacher“: „In Zeiten der Dürre kann ich nicht länger warten auf Wasser.“ An was für eine Dürre hast du beim Schreiben gedacht?
Es gibt da zwei Dürren, aber die wichtigste für mich ist die finanzielle Dürre, denn eine weitere Zeile lautet ja: „Sie fragen: Kann ich inzwischen von der Mucke leben?“ Und obwohl ich da hundert Prozent rein gebe, kann ich von der Musik noch nicht leben. Und die Zweite könnte man eher so beschreiben, dass viele Leute, die meine Musik schon länger kennen, mich eben als jemanden sehen, der gewisse Hip-Hop-Werte verkörpert in einer sonst trostlosen Hip-Hop-Landschaft von Fakern und Image-Rappern. (grinst) Dem kann ich nicht komplett widersprechen, denn der Realness-Anspruch und das Hip-Hop-Traditionsbewusstsein sind definitiv vorhanden. Das ist insofern auch ein wenig die Rolle des Regenmachers für die Szene und die Supporter.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 4 (Frühling 2016).

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