Von Brücken
Anne De Wolff

Von Brücken

Scheitern als Chance
Nicholas Müller musste aus Jupiter Jones aussteigen – jetzt ist er mit Von Brücken zurück.

Nicholas Müller raucht noch kurz eine Zigarette auf dem Hof des angesagten Berliner Hipster-Hotels, in dem unser Interview stattfinden wird. Sein brav zugeknöpftes Oberhemd und der biedere graubraune Wollpullover stehen dabei im Gegensatz zu seinen nahezu komplett tätowierten Händen. Zusammen mit seiner früheren Band Jupiter Jones hatte Müller nach einem Jahrzehnt zäher Arbeit und dem Single-Hit „Still“ endlich den ersehnten großen Erfolg. Doch drängende Angstzustände zwangen Nicholas zum Ausstieg und brachten ihn um den Ertrag seiner Arbeit. Nach einem Jahr Auszeit kehrt der 33-Jährige nun in die Musikszene zurück. In seiner neuen Band Von Brücken steht ihm der Komponist und Keyboarder Tobias Schmitz zur Seite. Während des Gesprächs mit SCHALL. zeigt sich, dass die Brücke zwischen beiden eine lange Freundschaft ist.

Brücken sind ein gutes Thema, John Lennon hat ein Soloalbum mal „Walls And Bridges“ genannt. Ist eure Platte „Weit Weg Von Fertig“ eine Art Brückenbau?
Nicholas Müller: Was Assoziationen angeht, bieten sich unzählige Richtungen an, so kann man Brücken auch einreißen. Das ist bewusst so gewählt, da soll sich jeder etwas suchen. Eine Dame schrieb auf unsere Facebook-Seite: „Wenn ich von Brücken bei Google eingebe, kommt immer nur ,von Brücken springen‘. Hat das was mit euch zu tun?“ Nein, hat es nicht! Diese Verknüpfung kommt zum Glück nicht so oft vor. (lacht)
Tobias Schmitz: Das Wort steht für Verbindung. Es gibt Brücken zwischen Menschen wie etwa der Band und dem Publikum. Fünfzig Prozent des Namens stammen von mir, die „Brücken“ sind auf meinem Mist gewachsen. Das habe ich Nicholas im Münsteraner Bahnhof zu später Uhrzeit vorgeschlagen. Er meinte: „Ja, das Symbol gefällt mir gut, aber da fehlt noch was. Wie wär´s mit Von Brücken? Das kann man tragen wie einen Familiennamen. Hat etwas Aristokratisches ...“

Wann kam der Moment, Nicholas, an dem du wieder eine Brücke zum Publikum schlagen wolltest?
Nicholas: Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem ich gesagt habe: Okay, jetzt haben wir Songs geschrieben, mit denen wir nach draußen gehen können. Das Bedürfnis, Musik zu machen, gab es schon früher. Ich hatte Zuhause gesessen und vor mich hin geklimpert, doch ich bin kein Komponist, sondern Texter und Sänger. Das reicht nur für den Hausgebrauch. So entstand eine große Lust, das nicht mehr allein zu machen.

Wie habt ihr euch getroffen?
Tobias: Wir stammen beide aus der Eifel und kennen uns seit zehn Jahren. Nach dem Konzert meiner damaligen Band hat Nicholas mich angesprochen. Das erste Jupiter-Jones-Album war im Entstehungsprozess: „Du, wir brauchen bei einem Song ein Klavier ...“
Nicholas: Tobias war der erste und einzige Partner, den ich im Kopf hatte. Es war für mich wichtig, bei jemandem anzurufen, der all das miterlebt hat, was im Vorfeld passiert ist. Tobi war immer dabei und er ist ein Freund geblieben. Allerdings wollte ich schon immer mit vielen Leuten Musik machen, und das passiert jetzt auch: Auf Tour sind wir acht Leute mit 19 Instrumenten, das habe ich mir schon immer gewünscht!

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 3 (Winter 2016).

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