Bosse
Nina Stiller

Bosse

Eng mit sich selber, eng mit dem Anderen
Bosse wird altersweise.

Mit „Kraniche“ (2013) gelang es Axel „Aki“ Bosse erstmals in seiner über 15-jährigen Karriere mit einem Album unmittelbar die Gold-Marke zu überspringen. Mit der gleichnamigen Tournee hat er auf Grund der großen Erfolge fast zwei Jahre hunderte Konzerte und Festivals gespielt. Zuspruch, Anerkennung, Aufmerksamkeit und vor allem Bewunderung von allen Seiten.

Für Anfang Februar kündigt Bosse nun sein sechstes Studioalbum an. „Engtanz“ wird es heißen. SCHALL. konnte es vorab hören: Elf vertonte Kurzgeschichten, sehr temporeich und voller Energie, über das Leben und auch besonders über sein Leben. Seine Songs zeigen, hier ist ein Künstler am Werk, der aus unterschiedlichen Denkansätzen seine ganz persönlichen Schlüsse gezogen und diese in teilweise berührenden, wie auch intimen Liedern konserviert hat. Die in Songs von Bosse verpackten Geschichten sind eigentlich auch unsere Geschichten und das ist ein wesentlicher Grund für Bosses Erfolg und Beliebtheit. Er ist einer der sehr tiefgründigen Beobachter unter den deutschen Songschreibern und sein sechstes Studioalbum ist einmal mehr eine persönliche Standortbestimmung. SCHALL. unterhielt sich mit Bosse über dunkle und helle Momente des Lebens, das Ende seiner Jugend, textliche Tiefe, das gute Gefühl, jemandem ganz nah zu sein und die Fußballeuphorie in seiner alten Heimatstadt Braunschweig.

Das ist zumindest der erste Eindruck: „Engtanz“ klingt fetter, pompöser als seine Vorgänger. Streicher, Chöre usw. Wie denkst du darüber?
Das ist schon ganz schön voll geworden, ohne es positiv oder negativ zu bewerten. Es sind weniger Keyboards und nicht so viele Klaviersounds wie auf dem „Kraniche“-Album. Diesmal eben mehr Streicher und Chöre. Für den Opener „Außerhalb der Zeit“ holte ich mir den Berliner Kneipenchor und die hatten im Studio so einen Bock drauf, dass wir sie gleich noch ein paar weitere Songs singen lassen haben. Wenn man so will, sind die Chöre, die Streicher und die Bläser meine musikalischen Eckpunkte, die ich mir vorher überlegt hatte. Ich dachte, was hatte ich auf meinen Alben bisher noch nicht? Vom Sound her haben auch die Gitarren eine wichtige Rolle gespielt. Das habe ich im Nachhinein auf „Kraniche“ vermisst, ich habe da vergleichsweise sehr wenig Gitarre gespielt. Bei „Engtanz“ habe ich wieder viel auf der Gitarre geschrieben, weil ich dort hin zurück wollte, wo ich herkomme. Auf dem Album „Taxi“ ist ja viel über die Gitarre gelaufen. Wir haben diesmal ebenso versucht, in besseren Studios aufzunehmen, einen besseren Grundsound zu haben, was z.B. das Schlagzeug angeht. Ich finde, es ist toll produziert. Ich hatte diesmal Bock auf Größe und Tanzbarkeit.

Viele Songs eignen sich nicht nur zum Engtanzen. Meinst du, dass der Albumname in die Irre führen kann?
Es geht mir um dieses Gefühl beim Engtanzen. Ich war im letzten Jahr bei einigen Engtanzpartys, mit meinen Freunden, mit meiner Frau. Stirn an Stirn zu stehen, eng mit jemandem zu sein, und dass das gut ist. Im Grunde kann man bei einer Produktion jeden Song in „ruhig“ machen oder krachen lassen. Anfangs hatte ich sogar darüber nachgedacht, mal ein Album mit Akustikgitarre, Klavier und vielleicht einem Cello zu machen. Aber das habe ich schnell wieder verworfen, das kann ich vielleicht in zehn Jahren machen, wenn ich 45 bin und kein Bock mehr auf Tanzen oder ein Raucherbein hab. Deshalb war es mir wichtig, dass dieses Album vom Sound her drückt, dass es ein paar gefährlichere Momente hat als eine Akustikplatte. Es geht schließlich auch darum, dass wir weiterhin eine Rock´n’Roll-Band sind und auch auf dem Hurricane-Festival bestehen können. Ich glaube allerdings, dass ich dieses Mal textlich tiefer gegangen bin als jemals zuvor. Dann fand ich dieses Bild, von diesem Eng mit sich selber, eng mit dem Anderen sein, sehr passend.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 3 (Winter 2016).

(0 Stimmen)
Schlagwörter :

Mehr in dieser Kategorie:

« Die Fantastischen Vier