Kraftwerk
Peter Boettcher

Kraftwerk

Der Anfang von allem
Kraftwerk und eine geballte Ladung „Remixes“ auf Vinyl.

Es gibt keine Band aus Deutschland, die weltweit seit Jahrzehnten eine derart kultische Verehrung genießt wie Kraftwerk aus Düsseldorf. Sie gelten als Schöpfer der elektronischen Popmusik, vereinen Pioniergeist und Eingängigkeit: kühner Avantgardismus, den man tanzen kann. Egal, ob heute sanfter Electropop, House und Techno oder brutaler Industrial gespielt wird – die Stars berufen sich auf die Düsseldorfer Überväter um Ralf Hütter und Florian Schneider. Letzter gehörte der Band bis 2009 an und starb vor zwei Jahren 73jährig an Krebs.

Nur wenige wissen, dass die Geschichte der Band gar nicht elektrisch begann, dass es eine Reihe von Alben (und sogar recht erfolgreiche) in einer ganz anderen Stilistik gab, bevor 1974 mit Album und Track „Autobahn“ die Erfolgsgeschichte der Electro-Götter begann. Zunächst war das Duo (es gab wechselnde Ergänzungsmusiker) ganz auf der damals neuen deutschen Welle des Krautrock unterwegs. Die ersten drei Alben waren experimentell und instrumental, ganz im Zuge der kreativen Aufbruchsstimmung der Endsechziger/Anfangssiebziger im deutschen und internationalen Rock, die dann bald zu immer komplexerem Kunst-Rock führte. Vor der endgültigen Namensfindung veröffentlichten beide eine Platte unter dem Namen „Organisation“. „Tone Float“ wurde von Hütters Orgel und Florian Schneiders eigentlichem Instrument, der Querflöte, geprägt, die Musik klang entfernt nach den frühen Pink Floyd.

Damit lag die Band mitten im Trend und war durchaus erfolgreich. Die Alben „Kraftwerk“ und „Kraftwerk 2“ gingen in die Top 100 der Deutschen Charts (damals waren damit auch nennenswerte Abverkäufe verbunden). Auf „Kraftwerk 2“ verwendeten sie ein elektronisches Schlagzeug, aber nicht um des Fortschritts willen, sondern weil sie das Album eben nur zu zweit aufnahmen. Der Track „RuckZuck“ wurde zur Kennungsmelodie einer bekannten ZDF-Sendung, die Band 1972 von den Lesern der gehobene Pop-Postille „Sounds“ zu beliebtesten Deutschlands gewählt. Eine Karriere nahm Fahrt auf. Nur, dass die Musik komplett anders war als jene, mit der sie dann durchstarteten.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 26 (Frühling 2022).

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