Lina Maly
Chris Gonz

Lina Maly

Es probieren
Lina Maly verlor ihren Vertrag mit einem Majorlabel und findet das ganz okay.

Eigentlich wirkt der Begriff der Bilderbuchkarriere leicht antiquiert. Er besitzt jedoch exakt die richtige poetische Aura, um den Aufstieg der Hamburger Musikerin Lina Maly zu beschreiben. Teenagermädchen nimmt Gesangsunterricht, wird von ihrer Lehrerin an einen Talentscout vermittelt, der mit ihr das Interesse einer großen Plattenfirma (Warner Music) weckt, produziert ein Album, landet mit ihrer ersten Single in der Fernsehenkneipe bei Inas Nacht, im Vorprogramm der französischen Chansongröße Zaz, klettert in den Charts auf Platz 34, wird für Nachwuchspreise nominiert und erhält auch einen: den des Musikautorenpreises der GEMA. Doch als das zweite Album ´nur´ Platz 66 der Charts erreicht, wird Linas Bilderbuch ganz unromantisch vom Major zugeklappt. Ende mit Tränen? Mitnichten. Unbeschwerter könnte kaum jemand mit so einer Situation umgehen, und so veröffentlicht Lina Maly ein neues Album auf eigenem Label.

„Schön genug“ heißt ihre erste Single im Jahr 2016 und setzt sich kritisch mit Schönheitsidealen auseinander. Das Lied etabliert sie als das ungeschminkte natürliche Mädchen und gibt ihr ein ständig wiederkehrendes Adjektiv zur Seite, das Rezensenten in der Folge gerne aufnehmen: „einfach schön“ nennt die Hamburger Morgenpost etwa ihre Musik, „irgendwie schön“ der Musikfachmann der Frauenzeitschrift Brigitte. Und tatsächlich braucht man niemandem Banalität zu unterstellen, wenn ihre sanfte Stimme und meist auch sanften Lieder in diesem sehr einfachen Sprachbild landen, denn irgendwie passt es. Ebenso wie zum Namen ihrer neuen Plattenfirma Drei Tulpen Records, deren Chefin sie nun ist und bei der sie erstmals alleine entscheiden darf.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 25 (Herbst 2021).

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