Nino de Angelo
Franz Schepers

Nino de Angelo

Mit einem Grinsen im Gesicht
Wie Nino de Angelo seine spektakuläre Rückkehr gelang.

Nino de Angelo war im Schlagerparadies und stürzte dann böse ab. Auf frühen Erfolg und Ruhm folgten Drogensucht, gescheiterte Ehen und sogar ein Suizidversuch.

In seiner Biografie „Gesegnet und verflucht“ räumt der 57-Jährige mit seiner Vergangenheit auf. Der perfekte Zeitpunkt, denn als Künstler ist er nach musikalischer Neuerfindung wieder ganz oben: Bis auf Platz zwei der Charts schaffte er es mit seinem neuen Album, das so heißt wie das Buch. Im SCHALL.-Interview erzählt er, wie Instagram dabei Schicksal spielte, warum seine neuen Songs wie Unheilig klingen, wie die Chancen auf eine Zusammenarbeit mit Rammstein stehen und wie er trotz Lungenerkrankung auf Tour gehen will.

Herr de Angelo, Glückwunsch zur Nummer zwei in den Albumcharts. Wie fühlt sich das an, nach 37 Jahren wieder ganz oben zu sein?
Sensationell. In der heutigen Zeit sowieso. Mit dem Studioalbum „Jenseits von Eden“ war ich damals auch auf Platz zwei. Es ist Wahnsinn, wie sich der Kreis schließt. Das neue Album ist so gut, es wäre schön, wenn wir noch ein paar Monate in den Top 100 bleiben würden.

„Immer wenn es bei mir gerade aufwärts ging, kam wieder ein Dämpfer“, heißt es in Ihrer zeitgleich erschienenen Biografie. Wie groß sind Ihre Sorgen derzeit?
Ich glaube, diesmal wird es nicht so sein. Ich gehe da auch ganz anders ran. Ich bin jetzt gefestigt und der derzeitige Erfolg ist nicht auf Sand gebaut, sondern auf Musikalität und meiner musikalischen Weiterentwicklung. Ich habe keine Angst, dass um die Ecke wieder dunkle Wolken aufziehen. Ich habe eh schon das erreicht, was ich erreichen wollte: Ich wollte noch mal einen raushauen – das habe ich gemacht. Selbst wenn es morgen zu Ende wäre, hätte ich immer noch ein Grinsen im Gesicht.

Hätten Sie damit gerechnet, dass Ihnen solch ein Erfolg noch mal passiert?
Nach dem letzten Album, das eher ein Misserfolg war, nicht. Ich hatte mich schon damit abgefunden, wollte eigentlich gar kein Album mehr machen. Das Ganze ist durch Chris Harms entstanden, den ich vor anderthalb Jahren zufällig kennengelernt habe. Er kommt aus einem ganz anderen musikalischen Bereich, nämlich dem Dark Metal, hat selber eine Band. Ich dachte erst, die wollen mich wohl verarschen, das kann ja nicht sein, dass der mit mir eine Platte machen will!

Sie haben sich über Instagram kennengelernt, oder?
Ja, er ist in die Studios eingezogen, in denen ich damals „Jenseits von Eden“ aufgenommen habe – das Chameleon-Studio in Hamburg. Dort hing eine Goldene Schallplatte von mir an der Wand, die wir damals dem Tonmeister Klaus Bohlmann überreicht haben. Und Harms machte daraus einen Post auf Instagram, so nach dem Motto: „Guckt mal, wie lustig: Nino de Angelo hat hier auch aufgenommen – ‚Jenseits von Eden‘. Wie toll.“ Ich habe darauf geantwortet und am nächsten Tag hatte ich ihn an der Strippe. Es ist verrückt, wie sich die Dinge entwickelt haben. Da kann man an Schicksal glauben.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 23 (Frühling 2021).

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