Georg auf Lieder
Ben Wolf

Georg auf Lieder

Junge mit Hasenmaske
Wie Georg auf Lieder zwischen allen Welten lebt.

Wer zwischen 2011 und 2013 den Berliner Alexanderplatz überquerte, sah ihn vielleicht unter der Weltzeituhr stehen: Georg auf Lieder, einer der
bemerkenswertesten deutschen Singer/Songwriter.

Bemerkenswert nicht nur wegen seiner Kindheit zwischen Bolivien und Hamburg, bemerkenswert nicht nur wegen den wunderbaren, heimelig-bittersüßen Kompositionen seines dritten Albums „Georg auf Lieder“. Bemerkenswert vor allem durch sein eigenes Narrativ, das ihn vom Straßenmusiker zum Major-Label, durch 400 verschiedene Wohnzimmer hin zum eigenen Plattenboss geführt hat.

Das Foto auf dem Cover ist durch und durch grandios. Bitte sag mir, dass Du der dicke Junge mit dem grimmigen Blick und der Hasenmaske bist!
Ja, das bin ich. (lacht) Das Bild fällt mir alle paar Jahre in die Hände, wenn ich nostalgisch werde und alte Fotos durchstöbere. Jedes Mal stelle ich fest, wie genial dieses Motiv doch ist. Es entstand an meinem ersten Geburtstag in Bolivien, und offensichtlich lief irgendetwas nicht so, wie ich mir das vorstellte.

Das Bild ist wie die Überschrift zu Deinem dritten Album: sehr nostalgisch und autobiografisch. Warum öffnest Du Dich in Deiner Musik ausgerechnet jetzt Deinem früheren Leben?
Nach meiner zweiten Platte begann ich sehr intensiv, Wohnzimmerkonzerte zu spielen. Es wurden mehr und mehr, irgendwann hatte ich 400 Auftritte zusammen. Ich bin mit der Bahn fast pausenlos kreuz und quer durch Deutschland gefahren, jahrelang, und habe viele Menschen privat in ihren eigenen vier Wänden kennengelernt. Weil man beim Bahnfahren sehr bei sich ist und sehr viel Zeit zum Nachdenken hat, überlegte ich mir lang und ausführlich, was ich denn auf meinem nächsten Album machen könnte. Ich kam schnell zu dem Entschluss, dass es egal ist, was es ist. Solange es echt ist. Aufrichtig. Es braucht nicht noch einen Künstler, der mit vermeintlich echter Musik ins Radio kommen will. Was die Leute mehr denn je brauchen, ist etwas Echtes.

Fällt es nicht schwer, sich aus emotionaler Sicht so nackig zu machen?
Nicht mehr. Ich habe so viele Menschen auf meinen Reisen kennengelernt und dabei festgestellt, dass wir alle dieselben Sorgen, Ängste, Hoffnungen und Wünsche haben. Alle sind gleich, alle Gefühle sind uns allen bekannt. Das ändert die Perspektive auf das eigene Leben. Ich erzähle meine Geschichte, ja, aber sie ist zugleich universell.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 23 (Frühling 2021).

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