Fury In The Slaughterhouse
Olaf Heine

Fury In The Slaughterhouse

Die goldene Regel
Wie Fury In The Slaughterhouse überlebt haben.

13 Jahre haben Fury In The Slaughterhouse kein neues Studioalbum herausgebracht. Nach ihrer Auflösung im Jahr 2008 sah es lange so aus, als würde „Don’t Look Back“ das Vermächtnis des Sextetts aus Hannover sein.

Doch beflügelt von ihren ausverkauften Reunion-Shows, die in einem Konzerte-Hattrick in der Tui Arena Hannover mündeten, gaben sie sich noch eine Chance. „Wir kennen uns teilweise seit unserer Jugend, wir sind zusammen durch Amerika getourt, haben Millionen Alben verkauft – das schmeißt du nicht einfach so weg“, meint Sänger Kai Wingenfelder. Gut so: Mit „Now“ erscheint Ende April die 14. Fury-Studioplatte, die mit starken Melodien und mitreißendem Gitarrenspiel in den Bann zieht. Im SCHALL.-Interview sind Kai Wingenfelder und Gitarrist Christof Stein-Schneider in bester Stimmung, als sie von der unkaputtbaren Bandchemie, Videoclip-Drehs mit Cyndi Lauper, guten Coverversionen und ihrer Hoffnung auf eine bessere Welt erzählen.

Kai, Christof, ist das jetzt Eure Comeback-Platte?
Christof Stein-Schneider: Wenn man es so bezeichnen will. Wir wollten ja eigentlich kein Album mehr machen. Live hat es immer Spaß gemacht, aber im Studio war es eher anstrengend und uninspiriert. Doch dann wurde die Idee einer neuen Platte an uns herangetragen. Wir haben es dann erst mal an einem Song mit dem Produzenten Vincent Sorg ausprobiert und festgestellt: Ach, guck mal, eine Albumproduktion kann ja auch Spaß machen!
Kai Wingenfelder: Ich würde es als persönliche Wiederfindung bezeichnen. Wir hatten uns ein bisschen verloren. Vincent und vor allem die Jungs vom Wacken Open Air, die das Management von Fury machen, haben uns wieder zusammengebracht. Es hat im Laufe unserer Karriere nie eine Zeit gegeben, wo wir uns viereinhalb Jahre nicht gestritten haben.
Christof: Ja, schlimm eigentlich.
Kai: Einer verließ immer schimpfend die Sessions, von wegen „Scheiß Spießerpack“ und so weiter. Aber diesmal: nichts davon. Wir sind ins Studio gegangen, nahmen Getränke mit, machten Musik und hatten einen Heidenspaß dabei.

Was für Getränke?
Kai: Es ist unterschiedlich. Es pendelte zwischen Bier und Wein. Und manchmal hatten wir auch noch eine Flasche guten Rum dastehen.
Christof: Also ich bin überzeugter Biertrinker.
Kai: Und ich bin für den Wein zuständig. Aber wir brauchten das als Hilfe gar nicht, es war nur zur Unterstützung der guten Laune gedacht.
Habt Ihr Euch vorher überlegt, welche Fehler Ihr auf keinen Fall wiederholen dürft, damit es nicht wieder schlecht ausgeht?
Kai: Das haben wir tatsächlich.
Christof: Wir stellten eine goldene Regel auf: Wenn irgendjemand von uns nein zu etwas sagt, dann lassen wir’s. Damit war sichergestellt, dass wir nur Sachen machen, an denen wir alle Spaß haben. Das hat überraschend gut funktioniert.
Kai: Getreu dem Swingerclub-Prinzip: Alles kann, nichts muss. Aber es war gut so. Wenn man sich diese Veto-Möglichkeit gibt, dann geht man auch anders mit der ganzen Situation um. Und nachdem wir zehn Jahre auseinander waren, haben wir alle wieder einen gesunden Respekt voreinander.
Christof: Plötzlich probiert man auch mal Dinge aus, zu denen man früher vielleicht von vorn herein nein gesagt hätte. Und man stellt fest: Ach, so schlimm ist es ja gar nicht! Das ist so ähnlich wie mit den Corona-Tests: Alle haben mir gesagt, wie furchtbar es sei, sich den Stab reinzuschieben. Aber ich habe festgestellt, so schlimm ist es gar nicht. Jedenfalls nicht schlimmer als das polnische Speed aus den Achtzigerjahren.

Aber das war diesmal nicht mit dabei?
Christof: Nein, nein, das ist etwas, was wir heute glücklicherweise weglassen.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 23 (Frühling 2021).

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