Die Ärzte
Jörg Steinmetz

Die Ärzte

Highway To Hell?
Klopapier, Cancel-Culture, Rammstein, Corona-Leugner: Die Ärzte über das turbulente 2020.

Es war nicht alles schlecht in diesem Jahr. Den Lockdown im Frühjahr nutzte die beste Band der Welt, um ihr 13. Studioalbum fertigzustellen, das den für das Pandemiejahr so treffenden Titel „Hell“ trägt.

Farin Urlaub (57), Bela B (58) und Rodrigo Gonzalez (52) bescherten uns außerdem einen Moment großer Freude, als sie die „Tagesthemen“ im „Ärzten Deutschen Fernsehen“ eröffneten, die Gunst der Stunde aber auch dazu nutzten, auf die dramatische Lage der Musikschaffenden aufmerksam zu machen. Bei ihnen selbst läuft es trotz acht Jahren Albumabstinenz gut: „Hell“ schaffte es auf Platz eins der Albumcharts und macht die Fans glücklich. Guter Anlass für einen Rückblick: Beim Treffen in Berlin präsentierte SCHALL. dem Trio die Schlagwörter des Jahres und erfuhr dabei, welche Strategien bei ausverkauftem Toilettenpapier sinnvoll sind, warum Lehrer auf Die Ärzte stehen, warum man weiter Michael Jackson hören darf, und wieso nicht alle Verschwörungstheorien hirnverbrannt sind.


Lockdown

Bela B: Der Welt tat es mal gut, inne zu halten und einen Gang runterzuschalten. Und Langeweile vielleicht gar nicht als Langeweile, sondern als Geschenk zu empfinden, weil man sich erholen kann von gewissen Dingen. Deshalb war es mir auch so wichtig, die Mutter aus Aleppo, die sich nach Langeweile sehnt, im neuen Ärzte-Song „Achtung: Bielefeld“ zu haben.
Farin: Ich weiß seit dem Lockdown, dass Garageaufräumen drei Tage dauert. Ich habe sehr viele Bücher fertig gelesen, für die man viel Zeit braucht. Ich hatte tatsächlich angefangen, eine Sprache zu lernen. Aber nach drei Monaten brach ich ab, weil ich dachte: Wer weiß, wann ich die jemals anwenden kann, wenn das so weiter geht. Also lese ich jetzt wieder ein bisschen mehr.

Rod: Ich habe die Wochen genutzt, mich mit Synthesizern zu beschäftigen. Statt wie sonst nur Presets abzurufen, kann ich die nun auch selbst programmieren.

Bela B: Ich habe aus der Zeit mitgenommen, mehr Aufmerksamkeit gegenüber älteren Menschen zu zeigen. Und einfach glücklich zu sein über das, was wir getan haben. Mit diesem Album ist es noch mal eine höhere Form von Glück als die, die wir schon erfahren hatten. Vor zwei Jahren hätten wir damit nicht gerechnet.

Farin: Ich empfinde auch Dankbarkeit. Dankbarkeit, dass ich rechtzeitig in der Metro war und Klopapier gekauft habe.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 22 (Winter 2020).

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