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Laith Al-Deen
Chris Gonz

Laith Al-Deen

Ein Mahnmal für Positivität
Die Lebensmitte des Laith Al-Deen.

In der Mitte des Lebens ganz bei sich zu sein, muss ein schönes Gefühl sein. Laith Al-Deen ist inzwischen dort angekommen – 20 Jahre nachdem er und mit ihm ganz Deutschland diese „Bilder von dir“ einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommen hat. Aus dieser Mitte entsprang ein Album, dessen Entstehung schon den Weg bis hierher erzählt: Es beginnt mit Euphorie, dann kommt manches anders als erhofft und am Ende wird alles gut sein. Weil eben „Kein Tag umsonst“ ist.

Laith, wie geht es dir?
Mir geht es sehr gut, danke. Wir waren, als die großen Corona-Einschränkungen losgingen, in der Schweiz, weil die Kinder meiner Freundin dort wochenendweise sind. In der Nacht vor der Grenzschließung haben wir beschlossen, dort zu bleiben. So wurden aus geplanten anderthalb Tagen am Ende acht Wochen. Jetzt sind wir zurück und ich bin die Schande der Nachbarschaft. Das Bisschen Vorgarten ist inzwischen komplett grün, voller Unkraut. Die Nachbarn laufen vorbei und rümpfen die Nase.

„Kein Tag umsonst“ heißt dein neues Album. Das könnte auch der Titel eines Abschiedsalbums sein, auf dem ein scheidender Künstler seine musikalische Lebensbilanz präsentiert. Davon bist du aber noch ein bisschen entfernt, oder?
Ja, ich sehe mich gerade in meiner Lebensmitte. Es gibt zu dem Titel eine Geschichte. Ich bin nach Heidelberg gefahren, um zwei alte Freunde zu treffen: Johannes Falk und Leon Taylor, mit beiden habe ich schon für das letzte Album viel zusammen geschrieben. Ich habe auf der kurzen Fahrt darüber nachgedacht, wie lange wir uns schon kennen. Ewig nämlich. Wir sind zusammen schon durch dick und dünn gegangen. Uns verbindet aber tatsächlich nur die Musik, sonst haben wir eigentlich nichts gemeinsam. Aber die Musik ist unsere Profession, unsere Leidenschaft. Das ist großartig und dass die Musik jetzt über die Hälfte meines Lebens meine Berufung ist, macht mich sehr stolz. Die Erkenntnis, dass mir das alles in all den Jahren nicht langweilig geworden, sondern immer noch etwas ganz Besonderes ist, war überwältigend.

Du hast die Zeit nach deinem letzten, sehr erfolgreichen Album „Bleib unterwegs“ ordentlich ausgekostet, bist immer wieder damit losgezogen und letztendlich hat es vier Jahre gedauert, bis du nachgelegt hast.
Ach, eigentlich war alles ganz anders geplant. Mein Produzent Udo Rinklin und ich hatten uns eigentlich Ende 2018 zu einem Motown-Albumprozess verabredet. Sprich: Vier Wochen Songs sammeln, dann kurz besprechen, wie wir sie anlegen, dann mit der Band ins Studio – und sechs Wochen später „Happy Days“ (lacht). Das Album hätte schon im April 2019 rauskommen sollen. Aber erst hat sich Udo eine Erkältung eingefangen, die ihn acht Wochen begleitet hat. Anschließend habe ich sie nahtlos übernommen, das ging dann noch ein bisschen hin und her. So haben wir ein halbes Jahr verloren, haben die Zeit aber auch genutzt, um unheimlich viel Material zu sammeln. Udo hat in den Monaten viele Playbacks gebaut, die wir genutzt haben. Das hat so gut geklappt, dass die Band auf diesem Album beinahe gar nicht stattfindet.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 20 (Sommer 2020).

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