SCHALL.
Diese Seite drucken
Joel Brandenstein
Chris Gonz

Joel Brandenstein

Er ist so frei!
Self-made man Joel Brandenstein.

Am Anfang hat er noch 50 Millionen Aufrufe seiner Videos „verschenkt“, doch mittlerweile ist er Besitzer seines eigenen Labels und veröffentlicht  darauf sein neues Album. Wie Joel Brandenstein als Twentysomething aus dem Kinderzimmer im Haus seiner Mutter eine einzigartige Karriere aufbaute.

Obwohl es mittlerweile ausgemachte Sache ist, dass dem Internet und seinen Serviceangeboten die Zukunft auch in der Musik gehört, gibt es hierzulande noch immer sehr wenige Künstler, die exklusiv über dieses Medium den großen Erfolg gefunden haben. Die größte dieser Ausnahmen ist vielleicht Joel Brandenstein. Für Außenstehende ist der Erfolg seines Albums „Emotionen“, das 2017 auf Platz eins der Albumcharts gegangen ist, ein Rätsel, denn er war praktisch ein Unbekannter in der „normalen“ Szene des Landes. Für seine Fans auf YouTube hingegen war es nur eine logische Entwicklung. Denn dort hat er sich seit 2011 über Jahre hinweg mit seinen sanften, intimen und warmen Songs eine Community aufgebaut, die treu auf immer neue Musik von ihm wartet.

Nun erscheint sein neues Album „Frei“ unter ganz neuen Vorzeichen und als ein großer Schritt in seiner Karriere. Wir trafen Joel für einen ganzen Nachmittag in Berlin, um über seinen besonderen Werdegang, die grenzenlose Unterstützung seiner Mutter, seinen Weg durch das Internet und die neue Single mit Vanessa Mai zu sprechen. Wir erfuhren eine außergewöhnliche Geschichte, die jedoch, wie so oft, ganz simpel mit Klavierunterricht im Alter von sieben Jahren begonnen hat.

War der Unterricht dein eigener Wunsch oder elterliche Anweisung?
Ich wollte zuerst Schlagzeug spielen! Ich war als kleiner Junge auf einer Party mit meinen Eltern, bei deren Freunden. Die waren Jazzmusiker. Und da stand ein Schlagzeug herum, auf dem ich die halbe Nacht getrommelt habe. Einer der Musiker meinte dann zu meinen Eltern: „Der Kleine trommelt gut für sein Alter, er sollte gefördert werden!“

Und warum wurde es dann ein anderes Instrument?
Ich kam nach der Trennung meiner Eltern mit vier Jahren aus Stuttgart, wo ich geboren wurde, nach Ratingen. Dort gab es aber nur eine kleine Musikschule, die leider keinen Schlagzeugunterricht anbot. Nur das Übliche: Gitarre, Klavier und so weiter … Da habe ich mich fürs Klavier entschieden. Obwohl Schlagzeug viel cooler gewesen wäre, klar! Ich hatte aber eine ganz nette Lehrerin, die merkte, dass ich anfänglich nicht so begeistert vom Klavierunterricht war und man mich noch locken musste. Da ich auch sehr gern gemalt habe, sollte ich dann zu jedem gelernten Song ein Bild malen. Das gefiel mir ganz gut. Die Lehrerin zog dann allerdings in eine andere Stadt und ich bekam einen „alten“ Lehrer, so um die sechzig, der war so richtig „Old School“. Das war mir alles damals irgendwie zu steif. Meine Abneigung, weiter zum Klavierunterricht zu gehen, war damals so groß, dass ich mir zu Hause Spielzeughandschellen, die ich vom Karneval noch rumliegen hatte, um machte und den Schlüssel weg warf, damit mich meine Mutter nicht zum Unterricht bringt. Sie brachte mich trotzdem hin, mit Handschellen, und der Klavierlehrer merkte dann wohl auch, dass es mir keinen Spaß machte. (lacht) Ich konnte jedenfalls meine Mutter davon überzeugen, dass es nicht das Richtige für mich ist. Ich hatte aber zuhause im Keller noch ein Keyboard, das entdeckte ich dann erst Jahre später für mich.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 20 (Sommer 2020).

(5 Stimmen)
Schlagwörter :
Template Design © Joomla Templates | GavickPro. All rights reserved.