Rammstein
Frederic Batier

Rammstein

Asche zu Asche
Wie Rammstein die Vereinigten Staaten von Amerika in Brand setzten.

Rammstein und Amerika, das ist ein Kapitel für sich. Es ist die Geschichte von der ersten deutschen Band, welche die Amis das Staunen lehrte. Eine nicht unkomplizierte Story, doch mit Happy End.

Dabei spielte auch 9/11 eine wichtige Rolle, dazu eine frustrierte Trennung und ein langes Schweigen – bis zur triumphalen gegenseitigen Wiederentdeckung. Eben diesen magischen Moment, das Konzert im New Yorker Madison Square Garden am 11.12.2010, hält der Film fest; eine beigefügte Doku von 92 Minuten vollzieht den Weg bis dahin. Doch Kernstück für den Fan ist natürlich der Mitschnitt. Gefilmt und akribisch produziert vom österreichischen Pop-Kult-Filmemacher Hannes Rossacher und seinem ganz sicher nicht eben kleinen Team; nur 63 Minuten lang, aber unter immensem Aufwand mit vielen Kameras gefilmt. Alles, was es braucht, dieses Gesamtkunstwerk aus Krach, Flammen und Schweiß einigermaßen adäquat auf einen Bildschirm zu bringen. Unbestritten aber ist, dass die Atmo einer Rammstein-Show von einem Fernseher, so groß und flach er auch sein mag, nur arg begrenzt wiedergegeben werden kann. Es fehlt der Geruch von klatschnassen Leibern und verbranntem Staub, das irre Geschrei, in dem sich die unterbewusste Furcht an der Schwelle zum Wahnsinn entlädt.

Die Show auf der Bühne aus Stahl, mit ihren zwei Grundebenen und den tausenden technischen Gimmicks, dürfte den deutschen Fans weitgehend bekannt sein. So schätzen wir sie. Das Konzert zeigt natürlich auch die oft diskutierten Grenzen einer Rammstein-Performance:  Alles ist scheinbar bis in die letzten Bewegungen sehr stimmig durchchoreographiert. Raum für Improvisationen bleibt da nicht mehr. Der Musiker, der auf dieser Bühne, vielleicht im Rausch des eigenen Musizierens, selbstvergessen eigene Schritte wagt, wird schnell zur falschen Zeit an der falschen Stelle – und in Flammen stehen. Die heiligen Ekstasen des Rock´n Roll sind für die Rammsteiner Tabu. Das wäre einfach zu gefährlich. Aber natürlich ist genau diese Gefahr entscheidender Teil der Faszination: Tills Flammenspiele törnen ja eben deshalb so an, weil alle wissen, dass so etwas verdammt weh tun kann, wenn es schief geht. Die Leute lieben Künstler, die volles Risiko eingehen. Die unbedingt notwendige Perfektion auf der Bühne führt im Zusammenhang mit ihren industrialisierten Metal aber dazu, dass die Einzelnen auf der Bühne (abgesehen von Till) eher wie Maschinen agieren.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 2 (Herbst 2015).

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