Pur
Carsten Klick

Pur

Die neue Popularität
Von der Schülerband in der Kleinstadt Bietigheim-Bissingen zu einer der erfolgreichsten Popgruppen Deutschlands.

Das Kunststück gelang Pur, denen Hartmut Engler seit fast 35 Jahren als Sänger und Songschreiber vorsteht. Auf ihrem neuen Studioalbum „Achtung“ fordert er mehr Respekt im Umgang miteinander und Toleranz gegenüber Fremden. Beim Gespräch im Hyatt Hotel in Hamburg erzählt der sonnengebräunte 53-Jährige aber auch von einem Lied für seine Mutter, dem Leben nach der VOX-Erfolgsshow „Sing meinen Song“ und der Parallele zu Mark Forster.

Herr Engler, sie sehen fit und erholt aus.
Danke. Ich war gerade wie üblich um diese Jahreszeit in meinem Haus auf Mallorca. Und ich habe eine Woche Heilfasten hinter mir. Es ist immer gut, sich mal zu reduzieren und schlechte Gewohnheiten abzulegen. Man fühlt sich nach so einer Kur viel energetischer und weiß Essen wieder mehr zu schätzen.

Aber sich im Zaum zu halten, haben sie sich auch erst später in Ihrer Karriere angewöhnt, oder?
Ich hatte irgendwann keine andere Möglichkeit mehr! Nach der „Abenteuerland“-Tour Mitte der Neunziger war ich bei 100 kg angelangt. Und mein Arzt sagte: „Wenn Sie weiter so auf der Bühne rumspringen wollen, dann wäre es besser für Sie und Ihre Gelenke, wenn sie gegenansteuern würden.“ So habe ich das Heilfasten für mich entdeckt und gleichzeitig angefangen, Ausdauersport zu machen, mit 40 bis 60 km Laufen die Woche. Heute mache ich fünf Mal eine Stunde Sport in der Woche.

Sind Sie heute auch eitel?
Ach nein, das ist eher eine Eitelkeit, die was mit dem Job zu tun. Ich glaube, wenn ich irgendwann nicht mehr auf der Bühne bin, werde ich doch dazu neigen, mich ein bisschen gehen zu lassen.

Wie Robbie Williams immer sagt: „In mir lebt ein dicker Mann, der raus will.“
Ja, genau so. Ab und zu spannt der Bauch ein bisschen, und irgendwann ist es dann auch wieder gut. Das ist bei mir auch so. Und wenn ich zu viel abnehme, sagen die Leute sowieso immer: „Oh, der muss krank sein.“ Ich kriege dann ganz schmale Wangen, und dann sticht die Nase noch mehr hervor.

Das Modebewusstsein war früher ja nicht so Ihres ...
Jetzt mit Abstand sehe ich natürlich auch, wie grandios ich modisch damals daneben gegriffen habe. Von der blonden Locke und dem Vokuhila habe ich mich mindestens fünf Jahre zu spät getrennt. Aber wer bitte sagt einem, der gerade 2 Millionen Platten von „Abenteuerland“ verkauft hat: „Du siehst aber scheiße aus!“ Da hätte ich in dem Moment wahrscheinlich geantwortet: „Sag mal, hast du sie nicht alle?“ Denn wir hatten die Nation hinter uns, wir waren die angesagte Band. Das angebliche Polarisieren von Pur, man liebt sie oder man hasst sie, ist ein Märchen der Presse.

Das stimmt nicht?
Nein, aber das ist ein super Einstieg für jeden, der etwas über Pur schreiben will, weil wir für Journalisten relativ langweilig sind. Ich sehe normal aus. Wir leisten uns keine Skandälchen. Im Prinzip kann man über Pur nur schreiben: Sie bringen ein neues Album raus, gehen auf Tour, die Tour ist ausverkauft, das Album ist toll und auf Platz 1. Punkt.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 2 (Herbst 2015).

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