Farin Urlaub
Farin Urlaub

Farin Urlaub

Ich komme aus einer anderen Zeit
... und aus einer anderen Welt: Warum es Farin Urlaub immer wieder nach Afrika zieht.

Jan Vetter alias Farin Urlaub, Sänger der Band Die Ärzte, veröffentlicht mit „Danger!“ die erste offizielle Live-DVD seines Projekts Farin Urlaub Racing Team. Dessen nicht genug, wirft der große Blonde mit dem Haifisch-Grinsen auch noch zwei mehrere Kilo schwere Afrika-Bildbände auf den Markt. SCHALL. sprach mit Farin Urlaub, 52, in Berlin über Rebellion, die Faszination der Wüste und Menschen ohne Hoffnung.

Rockmusik galt einst als etwas richtig Gefährliches und Unberechenbares. Heißt deine Live-DVD deshalb „Danger!“?
Nein. Das ist ein sinnloser Scherz, der sich auf den Titel der Tour bezieht. Sie hieß „Es besteht keine Gefahr für die Öffentlichkeit“. Aber es stimmt: Gerade Punkrock und das dazugehörige Outfit wurde als verstörend empfunden. Was ich natürlich super fand.

Was ist Rockmusik heute?
Musik ist völlig entwertet worden, sie ist heute einerseits Hintergrundgeräusch, andererseits verkaufsfördernde Maßnahme und nicht mehr der Soundtrack der Rebellion und Identifikationsvehikel. Heute hört man alles und alles durcheinander, je nach Stimmung. Es gibt hunderttausend Strömungen im Jahr und dementsprechend kann man sich aussuchen, womit man sich gerade identifiziert. Wie gesagt: Ich komme aus einer anderen Zeit.

Bist du trotz des Erfolges ein Rebell geblieben?
Ich hoffe. Der Erfolg ist manchmal sogar verstörend, weil man denkt: „Ich bin doch eigentlich gegen das alles.“ Aber irgendwie ist er auch ganz cool. Das ist schon seltsam.

Hat solch eine Live-DVD eine Chance gegen YouTube?
Das weiß ich nicht. Ich mag einfach qualitativ hochwertige Produkte. Deswegen haben wir jetzt Geld in die Hand genommen, um diese DVD zu produzieren, und wir hoffen, dass wir wenigstens die Kosten wieder einspielen.

Metallicas 3D-Konzertfilm kostete angeblich 32 Millionen Dollar. Je teurer, desto besser?
Nein. Wir sind eine Band, die eigentlich nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz Tonträger verkauft. Es ist ein unternehmerisches Wagnis, aber wir waren so stolz auf diese Tournee und wollten sie deshalb dokumentieren. Ideal wäre gewesen, 20 Auftritte zu filmen. Düsseldorf war insofern ein sehr gutes Konzert, weil das Publikum total Bock drauf hatte, auf dieser DVD zu sein.

Worauf legst du bei einem Konzertfilm besonderen Wert?
Das kommt auf den Konzertfilm an. Bei Jonathan Demmes Film über die Talking Heads ging es darum, ein Kunstwerk zu schaffen. Uns ging es um einen möglichst ehrlichen Konzertmitschnitt. Da wir aufgrund des limitierten Budgets keine hunderttausend Kamerablickwinkel haben können, wollen wir in punkto Schnitt allen Bedürfnissen gerecht werden.

Du siehst dich angeblich nicht gern in Filmen. Woran liegt das?
Ich mache zwar unheimlich gerne Musik, aber ich mag es nicht, mir dabei zuzugucken. Deshalb ging die Freigabe auch sehr schnell. Vielleicht bin ich nicht selbstverliebt genug. Ich mag auch nicht fotografiert werden. Was aber nicht heißt, dass mir nicht gefällt, was ich mache.

Sehnst du dich manchmal danach, die Dinge wieder klein und unkompliziert zu machen?
Ich empfinde nichts, was ich mache, als kompliziert. Wenn man einen Gedankengang zu umständlich erklären muss, dann ist er vielleicht auch gar nicht so gut. Und was die Größenordnung betrifft: Wir können jederzeit Clubshows spielen und ich kann im Studio je nach Laune auch alleine arbeiten. Manche Reisen mache ich alleine, manche mit meiner Schwester. Ich kann mir das aussuchen.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 2 (Herbst 2015).

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