WIRTZ
Eva Zocher

WIRTZ

Die Rückkehr in den Grenzbereich
Warum bei WIRTZ ohne Strom trotzdem mehr Aufwand bedeutet.

Sechs Jahre ist es her, da zog sich Daniel Wirtz zum ersten Mal selbst den Stecker und machte sich mit einem Unplugged-Album auf den Weg durchs Land. Das Ganze geriet zur emotionalen Reise durch die tiefsten Gemütszustände. Euphorie, Melancholie, Auflösung. Von den Erinnerungen daran zehren sie noch immer – der Künstler, aber auch seine Anhänger. So sehr, dass es Zeit wurde für eine neue Auflage des Abenteuers. Dabei war eigentlich alles ganz anders geplant ...

Daniel, normalerweise verrätst du in deiner Kunst sehr offen, in welchem Lebensabschnitt du dich gerade befindest. Das begann mit deinem Debüt „Elf Zeugen“, einer musikalischen Selbstgeißelung, führte dann weiter durch schwere Tage über das beinahe fröhliche „Auf die Plätze, fertig, los“ hin zur ausgeglichenen „Die fünfte Dimension“, auf der du entspannt zurück und angriffslustig nach vorne blicktest. „Unplugged II“ erlaubt da keine aktuellen Einblicke in dein Seelenleben. Also: Wie geht es dir?
Danke der Nachfrage, es geht mir sehr gut. Ich habe meine Familie um mich rum, mein Sohn wächst und gedeiht prächtig, ich habe ein Album, das mir sehr viel Spaß macht, im Rücken und eine Tour, die wunderbar werden wird, vor der Brust. Wenn große Kunst wirklich nur aus dem Schmerz heraus geschaffen werden kann, bin ich am Ende. Aber an diese Theorie glaube ich zum Glück nicht mehr. (lacht) Wenn man mit wachen Augen durchs Leben geht, gibt es aber noch ausreichend Anlass, auch künftig nicht allzu fröhliche Musik zu machen. Das wird in unserem Leben wohl auch leider nicht mehr anders werden.

Künstler mögen es doch normalerweise nicht, sich zu wiederholen. Du hast selbst mal gesagt, dass euer erstes Unplugged-Album von 2014 ein „Fanservice“ war. Das spricht beides nicht unbedingt für eine neue Auflage. Und dennoch ist sie da. Warum?
Ganz einfach: Weil es beim ersten Mal vor sechs Jahren so wunderschön war, diese Unplugged-Konzerte zu spielen. Da sind Erinnerungen entstanden, die bekommst du nicht mehr aus der Seele. Da war schon eine Art Sehnsucht da, das noch einmal zu machen. Und jetzt gab es auch genügend neue Songs, mit denen wir die Reise ein zweites Mal antreten können.

Aber eigentlich war etwas ganz Anderes geplant, oder?
Ja, das stimmt. Ursprünglich wollten wir eigentlich das komplette Gegenteil von dem, wobei wir wieder gelandet sind. Wir hatten die Idee, ein paar Songs in ein Industrialgewand zu kleiden, mit elektronischen Elementen, ein bisschen Nine Inch Nails, ein bisschen Depeche Mode, viel WIRTZ. Ein Superstromalbum also.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 19 (Frühling 2020).

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