Silbermond
Chris Gonz

Silbermond

Die Band lebt!
Silbermond und die Leichtigkeit des Seins.

Vor vier Jahren waren Silbermond gerade dabei, ihren Neuanfang zu feiern und SCHALL. begleitete sie mit einer Coverstory. Viele „Schritte“ später sehen wir die Band aus Bautzen endlich wieder und blicken noch einmal zurück – und in eine unbekannte Zukunft.

Silbermond wirkten viele Jahre wie eine perfekt geölte Pop-Rock-Maschine mit Hit-Garantie. Als sie 2004 mit der Single „Symphonie“ und ihrem Debütalbum „Verschwende deine Zeit“ durch die Decke gingen, waren Sängerin Stefanie Kloß, die inzwischen eigentlich nur noch Steff heißt, Schlagzeuger Andreas „Nowi“ Nowak und die Brüder Thomas (Gitarre) und Johannes (Bass) Stolle gerade mal um die 20. Ein Wunder, dass das Quartett aus dem sächsischen Bautzen trotz des Höhenflugs nie den Boden unter den Füßen verlor und gleichzeitig ein Multi-Edelmetall-Album nach dem anderen ablieferte. Ab 2014 saß Steff in der Jury von „The Voice of Germany“, die Band war präsent wie nie und füllte die größten Arenen des Landes. Alles schön, immer weiter, immer höher hinaus?

Nein, denn spätestens auf dem Weg zum fünften Album gerät das Perpetuum mobile Silbermond ins Stocken. Zweifel schleichen sich ein. Die Band unterzieht sich gerade noch rechtzeitig einer Selbstanalyse und repariert sich vor dem Aufbruch in eine neue Dekade: Weniger Sorgen, mehr wagen. Das Album „Leichtes Gepäck“ (2015) führt die Band in eine neue Dekade, die sie ohne die Bestandsaufnahme vielleicht gar nicht mehr erreicht hätte. „Schritte“ ist nun die Summe aus Erfahrungen und der Erkenntnis: Wer immer in die selbe Richtung unterwegs ist, wird nie ankommen.

Thomas, du hast mal gesagt, dass der Punkt, an dem alles cool ist, schlicht nicht zu erreichen sei. Ist er denn derzeit wenigstens in Sichtweite?
Thomas: Ach, vielleicht ist es gar nicht erstrebenswert, an diesen Punkt zu kommen. Ich habe die Sorge, dass damit eine Sattheit einhergehen würde, die dich dann nicht mehr weitergehen lässt. Das Suchen als ein Teil des Lebens und ein gewisses Noch-nicht-ganz-zufrieden-Sein hat auch etwas Schönes. Sagen wir es so: Mit „Schritte“ fühlt es sich so an, als wären wir auf dem richtigen Weg.

Das Album ist sehr rund geworden, Steff hatte in unserem Vorgespräch schon von einem „Circle of Life“ gesprochen, von dem „Schritte“ erzählt. Es gibt einen Song über euren 2018 geborenen Sohn und einen über den Tod eines geliebten Menschen. Der letzte Song heißt „Ein schöner Schluss“, es bleiben wenige Fragen offen. Ist das Ende nah?
Thomas: Ich will um Himmels Willen keine Gerüchte schüren, aber ich weiß tatsächlich nicht, ob das nicht vielleicht unser letztes Album war. Ich weiß es nicht, weil niemand sagen kann, was in drei Jahren ist. Wir haben erlebt, dass alles viel schneller vorbei sein kann, als man ahnt, es können Dinge im Leben passieren, die man noch gar nicht auf dem Schirm hat. Krankheiten oder Umstände, die es unmöglich machen, noch ein siebtes Album aufzunehmen. Deswegen haben wir uns Mühe gegeben, nicht nur das bestmögliche Album zu machen, sondern auch das emotionalste. Ich denke, das ist uns gelungen. Ich hoffe nicht, dass es unser letztes Album ist, aber ausschließen kann ich es auch nicht.
Steff: Für uns ist es tatsächlich das rundeste Album, das wir bisher gemacht haben. Jedes Lied ist ein Kapitel aus einem Leben. „Ein schöner Schluss“ rundet für mich dann alles ab. Der Song ist auch gar nicht so theatralisch zu verstehen, aber es ist ja so, dass wir alle, wenn wir ehrlich sind, immer nach dem Besseren, nach dem Schöneren, nach dem noch größeren Glück suchen. Aber ob das dann irgendwann eintritt? Wenn jetzt in fünf Minuten alles vorbei wäre, würde ich sagen: Ich hatte ein tolles Leben, mir fehlt nichts. Es ist wichtig, sich diesen Moment öfter mal zu nehmen und mit genau dem zufrieden zu sein, was man hat.

Seit 2018 sind Steff und Thomas Eltern. Johannes, wie wirkt sich diese neue Konstellation auf den Bandalltag aus?
Johannes: Erst mal ist der Kleine natürlich eine riesige Bereicherung. Im Bandalltag ist auf alle Fälle alles geregelter geworden. Es ist schwerer zu sagen: „Komm, wir proben jetzt einfach mal und schauen dann, wie lange wir machen“. Und das Songwriting findet jetzt auch eher tagsüber statt als wie früher abends oder bis in die Nacht. Es ist alles etwas klarer strukturiert. Im Vorfeld hatte ich ja gedacht, dass jetzt alles anders wird, alles auf links gedreht. So ist es aber gar nicht.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 18 (Herbst 2019).

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