Seeed
Erik Weiss

Seeed

Ihr Gebiet
Nach der fulminanten Rückkehr gehen Seeed endlich wieder auf Tour.

Seeed ist eine der einflussreichsten Bands Deutschlands. Mit einer entspannten Mixtur aus Pop, Reggae und Dancehall hat die Berliner Formation die Bundesrepublik lockerer gemacht. „Bam Bam“ ist das erste Album nach dem Tod des Sängers Demba Nabé, der einer der drei Frontmänner von Seeed war.

Die Lieder auf der Platte drehen sich um Abschied und Neuanfang, um den Kapitalismus und die Macht der Musik. Sie stieg bis auf Platz zwei der Album-Charts. Wer kein Ticket für die ausverkaufte Hallentournee bekommen hat: 2020 planen Seeed etliche Open-Air-Konzerte. SCHALL. traf Vokalist und Songschreiber Pierre Baigorry alias Peter Fox.

„Bam Bam“ ist das erste rein deutschsprachige Seeed-Album …
Das war eine bewusste Entscheidung. Wir sind eine Berliner Band, Deutsch ist von fast allen Seeed-Mitgliedern die Muttersprache. Vor allem sollte es ein kompaktes Album sein und auf den Punkt kommen. In mehreren Sprachen ist das schwierig hinzukriegen.

Seid ihr mit einer bestimmten Vision ins Studio gegangen?
Eigentlich nicht. Wir wollten nur möglichst bei dem bleiben, was wir am besten können: urbane, tendenziell mit Reggae und Dancehall infizierte Musik. Wir wollten eher keine Balladen- oder Jazz-Ausreißer oder Stücke mit Rockgitarre dabei haben und uns auf unsere Kernkompetenz konzentrieren.

Die Songs sind teilweise mit befreundeten Musikern wie Trettmann, Sway Clarke, Deichkind und Daniel Stoyanov von der Band Malky entstanden. Wie sehr brauchte Seeed frisches Blut?
Frisches Blut ist immer gut. Jeder, der eine gute Idee hat und sie gern bei Seeed mit reinbringen möchte, ist herzlich willkommen. Wichtig ist, dass wir am Ende gute Songs zustande kriegen. Dafür ist uns jedes Mittel recht.

Was verbindet Seeed zum Beispiel mit Deichkind?
Wir waren früher bei derselben Plattenfirma, haben dadurch eine lange gemeinsame Geschichte und schätzen einander. Unsere Proberäume befinden sich außerdem im selben Haus, weshalb wir uns eh häufiger übern Weg laufen.

Seeed wurden dafür gefeiert, dass sie Deutschland ein bisschen offener und entspannter machen. Wie entspannt ist Deutschland im Jahr 2019?
Ja, früher wurden wir dafür abgefeiert, dass wir deutsche Musik lockerer gemacht haben. Dann kam irgendwo mal der Vorwurf auf, warum wir nicht mehr politische Songs schreiben. Beides zusammen ist aber sehr schwierig. Ich würde schon sagen, dass Deutschland etwas lockerer geworden ist. Aber das kann man eigentlich nicht verallgemeinern. Berlin-Kreuzberg ist zum Beispiel eine eigene Blase und nicht vergleichbar mit den Rändern von Sachsen-Anhalt. Und im Alpenvorland ist es auch ganz anders als in Hamburg oder im Ruhrpott. Aber früher durch MTV und noch mehr, seit in den letzten zehn Jahren US-HipHop einfach die Weltmusik der Jugend geworden ist, hat sich eine gewisse amerikanische Lässigkeit verbreitet.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 18 (Herbst 2019).

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