AnnenMayKantereit
Martin Lamberty

AnnenMayKantereit

Ungewöhnlich und seltsam
Keine Spur von Ermüdung: Nach ihrem großen Durchbruch liefern AnnenMayKantereit gleich zweifach ab.

Schneller und deutlicher hat sich keine neue Band in den letzten Jahren etabliert: AnnenMayKantereit sind erst ein Album jung, aber nicht mehr wegzudenken. Die vier Jungs haben eben das, was anderen immer gerne nachträglich angedichtet wird – Authentizität und eigenes Profil. Schon ihr Name machte das immer deutlich. SCHALL. schnappte sich die Bande und erfuhr, wie sie mit dem Erfolg umgehen, und warum sie gleich zwei Alben auf einmal aufgenommen haben.

Ich glaube, da gibt es auch vier Antworten zu“ ist ein Satz, den man in Interviews mit den Mitgliedern von AnnenMayKantereit immer zu hören bekommt. Schon bevor sie mit der Veröffentlichung des Debüts „Alles nix Konkretes“ einen der außergewöhnlichsten Hypes ausgelöst haben, den man in der deutschen Musikszene erleben durfte. Denn dieses Mal wusste wirklich jeder, dass diese Jungs durch die Decke gehen würden. Und das war dann auch so. Die ehemaligen Straßenmusiker, die sich ihr Publikum auf YouTube und live selbst erarbeitet haben, und das lange bevor sie den großen Plattenvertrag unterschrieben, gingen wie von selbst auf Nummer eins der Albumcharts. Aber noch ungewöhnlicher in diesen Zeiten ist, dass sie ganze 129 Wochen in den Charts blieben – so eine Langlebigkeit ist eigentlich der Stoff, aus dem die Legenden der 80er und 90er gemacht wurden. Das alles war schon sehr ungewöhnlich und seltsam für das Jahr 2016.

Diesen Satz mit den vier Antworten, den meinen sie ernst: AnnenMayKantereit sind eine durch und durch basisdemokratische Band, was wohl daran liegt, dass sie zuerst Freunde waren und noch immer sind – und obendrauf kommt ihre Musik. Darum sind diese vier Antworten meistens doch sehr nah beieinander und drücken gar nicht so unterschiedliche Meinungen aus. Und obwohl sie sich so gut kennen und eigentlich genau wissen müssten, was der andere sagt, bleiben sie aufmerksam und lassen den Kollegen immer ausreden. Christopher Annen, Henning May, Severin Kantereit und Malte Huck (der ein klein wenig zu spät dazustieß, um noch Teil des Bandnamens zu werden) haben einen Respekt voreinander, den auch der erste große Erfolg nicht verändert hat. Obwohl er ihr Leben natürlich schon durcheinandergewirbelt hat – aber noch lassen sie sich davon nicht beeindrucken. Sie haben stattdessen einfach Album Nummer zwei gemacht, und „Schlagschatten“ setzt durchaus da an, wo das Debüt aufgehört hat – um dann ein bisschen weiter zu gehen. Und obwohl sie nach den intensiven Monaten des Schreibens, Probens und Aufnehmens sich ja eigentlich etwas Ruhe hätten gönnen können, haben sie sich gleich ins nächste Abenteuer gestürzt, denn da ist noch etwas sehr ungewöhnlich und seltsam an ihrer Geschichte: Sie haben mittlerweile weltweit Fans.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 14 (Herbst 2018).

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