Dota
Chris Gonz

Dota

Mit Absicht absichtslos
Warum sich Dota die Freiheit erlaubt, fatalistisch zu sein.

Es läuft prima für Dota: Spätestens seit 2016 und mit ihrem „Keine Gefahr“-Album vom Feuilleton und einer erlesenen Anhängerschaft geliebt, ausgestattet mit eigenem Label und voller künstlerischer Freiheit und jetzt mit einem formidablen neuen Album in den Startlöchern. Sängerin Dota Kehr empfängt SCHALL. in einem winzigen Kreuzberger Bistro zu ihrem persönlichen Promoauftakt zu „Die Freiheit“ – und freut sich nicht nur, über neue Musik zu sprechen, sondern auch, dass sie ihre Interviewantworten noch nicht auswendig kennt. Gute Voraussetzungen!

Wem sein moralischer Kompass abhandengekommen ist, der solle mal eines eurer Konzerte besuchen, stand in der ZEIT zu lesen. Liest du so etwas gerne über dich oder ist dir das ein bisschen too much?
Puh, das ist ganz schön viel. Es scheint mir, dass diese Einschätzung nett gemeint ist. Aber ich sehe mich überhaupt nicht als moralische Instanz. Ich bin ja nicht der Liedermacher mit dem erhobenen Zeigefinger. Ich mag Wader, ich mag Wecker und ich bewundere Degenhardt, ich bin mit diesen tollen Leuten aufgewachsen. Aber den Zuhörern selbst als moralischer Kompass zu gelten? Das ist mir ein bisschen viel Verantwortung.

Mit „Keine Gefahr“ bist du 2016 erstmals richtig auf dem Radar aufgetaucht. Wie hast du die Zeit rund um das Album und vor allem das „Danach“ wahrgenommen?
Das Album war sehr erfolgreich und davon wurden wir ziemlich überrannt. Tatsächlich haben wir entgegen dem großen Trend recht viele Tonträger verkauft, und zu sehen, dass es sich lohnt, eine aufwendige Produktion und ein paar schöne Videos zu machen, und dass man nicht auf den Miesen sitzen bleibt, war schon sehr schön. (lacht) Das ganze Drumherum, die Promoarbeit und so weiter, hätte ich mir ehrlich gesagt sogar stressiger vorgestellt. Ein Effekt war allerdings, dass ich irgendwann meine eigenen Interviewantworten nicht mehr hören konnte und nichts mehr lesen wollte. (lacht) Ich habe irgendwann keine Rezensionen mehr gelesen, keine YouTube-Kommentare. Damit habe ich erst jetzt, bei der ersten Single zum neuen Album wieder angefangen und mich sehr über die netten Kommentare gefreut. Aber ich muss damit sofort wieder aufhören, denn es tut dem Kopf einfach nicht gut. Es klingt ein bisschen doof, aber man muss weiter absichtslos schreiben können.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 13 (Sommer 2018).

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