Sasha
Chris Gonz

Sasha

Die Zeit ist reif
Auch Sasha wollte nicht mehr alles „immer wie immer“ machen – und singt jetzt auf Deutsch.

Seit seinem Durchbruch mit „If You Believe“ vor 20 Jahren feiert Sasha ungezählte musikalische Erfolge. Er erschuf sein Alter Ego Dick Brave, probierte sich als Schauspieler und als „The Voice Kids“-Castingshow-Juror. Nun stellt Sasha alles noch einmal auf Anfang und offenbart eine weitere Facette seines Könnens. Auf seinem ersten deutschsprachigen Album, „Schlüsselkind“, hat er jede Menge zu erzählen und präsentiert 14 musikalische Prosawerke mit viel persönlicher Geschichte. SCHALL. stieg mit Sasha zum Interview und Fotoshooting auf das Dach seiner Berliner Plattenfirma.

Wann reifte die Idee für den musikalischen Imagewechsel? In der ersten Staffel von „Sing meinen Song“ (2014) hattest du ja schon mal den einen und anderen deutschen Song deiner Kollegen performt.
Vor zwei Jahren. Mit dem Gedanken habe ich aber schon immer gespielt, seit ich begann, Musik machen. Meine ersten Gehversuche hatte ich mit 15, 16 Jahren, als ich mit meiner Cover-Band Westernhagen- und Ärzte-Songs auf Festen gespielt habe. Ich hatte nie ein Problem damit, auf Deutsch zu singen. Aber meine „Schreibsprache“ war halt Englisch. Das kam dadurch, dass ich jahrelang mit meiner späteren Band Junkfood englische Texte sang, so Weltverbesserer-Songs im Grunge-Stil, mit langen Haaren. (lacht) Das hätte nicht auf Deutsch gepasst. Dann kamen aber Bands wie Selig und Nationalgalerie. Das war wie ein kurzes Aufblitzen einer Art Neuer Deutscher Welle. Selig fand ich grandios und dachte, die machen Songs so ähnlich wie wir eigentlich sein wollen, nur halt deutsch. Wir haben das dann mal ein, zwei Texte probiert, aber es hat sich nicht durchgesetzt. Doch so alle fünf Jahre kam dieser Wunsch wieder auf. Und klar, eine dieser Initialzündungen für das Album war „Sing meinen Song“. Bei den Proben zur Sendung war ich noch unsicher: Vielleicht passt das gar nicht, klingt komisch, kommt mein Ruhrpott-Dialekt zu sehr durch. Bei der Sendung hat sich aber alles total normal angefühlt. Und dann sind mir die beteiligten Kollegen wie Gregor Meyle und Xavier Naidoo alle auf den Sack gegangen: „Klingt super, du musst jetzt ein deutsches Album machen!“ Da war ich erst mal bockig. Das war mir zu viel Einfluss von außen. Muss ich nicht, mach ich nicht! War ein bisschen bescheuert. (lacht)

Sarah Connor hat es dann aber bereits ein Jahr später getan …
Ja, Sarah hat es durchgezogen, und das hat mir dann natürlich im Nachhinein gezeigt, dass ich mit meiner Trotzreaktion falsch gelegen habe. Sie hat ihr Innerstes nach außen gekehrt und einfach ein krasses Album gemacht. Für sie war es der Zeitpunkt – für mich noch nicht. Die Zeit war noch nicht reif. Angestachelt wurde ich auch von meinen beiden Jungs, Ali Zuckowski und Robin Grubert, mit denen ich meine englischen Songs schreibe und komponiere, und die auch öfters schon mal einwarfen: „Eigentlich müssten wir mal ein deutsches Album machen!“ Ali und Robin waren auch die Ersten, an die ich dachte, als ich mich entschloss, den Schritt nun zu wagen. Ich sagte, lasst es uns tun und gucken, was passiert – ohne Druck. Und wenn wir merken, das wird nichts, lassen wir es gleich wieder sein. Aber es hat gut funktioniert – und dann sind wir nach L. A. geflogen.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 12 (Frühling 2018).

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