Die Fantastischen Vier
Robert Grischek

Die Fantastischen Vier

Attitüde ist alles!
Für immer und ewig: Die Fantastischen Vier.

Im kommenden Jahr existieren die Fantas 30 Jahre – und damit ein Jahr länger als die vereinte Bundesrepublik. Trends kamen und gingen, ebenso wie Kanzler und Frisuren, doch die Fantas blieben. Nach vier Jahren haben sie ein neues Album – und viel zu erzählen.

Sie nehmen sich die Zeit und SCHALL. auch: Wir trafen Smudo, Thomas D und Michi Beck, jeden einzeln, um mit ihnen in aller Ruhe zu sprechen. Viel Zeit, herauszufinden, wie nah sich diese Jungs sind, wie eng und wie ähnlich sie ticken, wie sie die Welt sehen, ihre Karriere und sich selbst. Und was man immer ahnte, stimmt auch – diese Band war und ist keine Zweckgemeinschaft, und auch wenn sie schon lange alle in verschiedenen Ecken des Landes leben, wo sie ihre eigenen Familien haben – der Kern ihres Selbst heißt Fanta 4. Und ohne das wären Smudo, Thomas, Michi, Andy und ihr Manager Bär womöglich verloren. Wie Smudo es sagen wird: „Die Fantas geben uns am Ende auch einen Sinn.“

Mal schnell zusammenfasst: 29 Jahre Karriere, elf reguläre Alben (plus Live- und Un-plugged-Scheiben), diverse Solo- und Nebenprojekte, massig Videos, Fernsehauftritte, Moderationen, unzählige Auftritte, das eigene Label Four Music, auf dem sie Künstler wie Freundeskreis veröffentlicht haben … Und je tiefer ich grabe, desto klarer wird: Man kann sich dieses Land ohne die vier aus Schwaben nicht vorstellen. Sie begleiten viele von uns schon unser Leben lang, sie sind Teil der Familie, des Freundeskreises. Sie sind wie ein Einrichtungsgegenstand der Berliner und schon der Bonner Republik. Sie gehören zur Kultur dieses Landes. „Aus der eigenen Perspektive ist das natürlich schwer zu beurteilen“, meint Smudo. „Es bleibt erstaunlich, wenn du das jetzt zum Beispiel so sagst. Aber man findet ,Die da!?!‘ auch in Deutsch-Schulbüchern z. B. in Frankreich.“ Kulturgut Die Fantastischen Vier. Denn jeder kennt das:

Als meine Freundin letztens sagte, sie zieht mal lieber einen Pulli an, dachte ich automatisch: „Die mit ’m dicken Pulli an, Mann!“, und dann merke ich, wie tief ihr in den Köpfen drin seid. Aber ihr habt ja nicht nur unsere Leben geprägt, sondern in den Alben auch eure Leben festgehalten. Wie Zeitkapseln, die ihr in die Welt gegeben habt.
Smudo: Wenn du alle drei Jahre ein Album veröffentlichst, dann kannst du die mit eigenen Erlebnissen verbinden. Aber du siehst da vor allem die schwäbische, brav veröffentlichende Band. Ich finde ja, unsere Leistung ist, dass wir immer mit einem gleichbleibenden Anspruch in die Produktion gegangen sind. Manche Sachen waren vielleicht überflüssig, wie das zweite „unplugged“. Das war mehr ein Rekordversuch. Selbst „Die da!?!“, was wir ja lange nicht hören konnten, ist eigentlich cool – denn so etwas gab es zu dem damaligen Zeitpunkt einfach nicht …

Jeder hat seinen eigenen Startpunkt für die Beziehung mit den Fantas. Für manche begann es mit „Sie ist weg“ oder wenig später mit „MfG“, für einige unter 25 ist es wahrscheinlich sogar erst die Präsenz von Smudo und Michi als Juroren in „The Voice“. Für die meisten ab einem bestimmten Alter wird es mit Sicherheit eben „Die da!?!“ sein, das Lied, das die Poplandschaft Deutschlands veränderte. Aber für mich begann es noch ein kleines bisschen früher.

Ich hab euch das erste Mal bei Run DMC in Berlin 1991 gesehen.
Thomas D: Jawoll!
Smudo: … und ich weiß noch, wir haben mit „Hallo Hamburg!“ angefangen – weil wir völlig überarbeitet waren, denn damals sind wir unsere Tour selber gefahren.
Michi: Das heißt ja, dann bist du auch nicht mehr der Jüngste …

… nein, bei Gott.
Michi: Ich erinnere mich nur, dass wir super spät ankamen … aber wir hatten ja nicht so viel aufzubauen. Das war so eine Last-Minute-
Harakiri-Aktion.

Es war das erste Mal, dass ich deutschen Rap erlebt habe. Bis dahin konnte ich mir nicht einmal vorstellen, dass so etwas existiert. Und das Erstaunlichste war, dass ihr besser wart als Run-DMC.
Smudo: (lacht) Das höre ich ja total gerne! Es war schon legendär, die kennengelernt zu haben. Aber Run und DMC waren echte Frikadellen gewesen. Cool und interessiert war nur Jam Master Jay, der ja leider gestorben ist. (sinnierend) … Wahnsinn.
Thomas D: Die waren aber auch erstaunlich schlecht, das war eine Enttäuschung. Da haben sich die Amis noch gar nicht angestrengt. Normalerweise wissen die ja, wie Showbiz geht, aber damals, gerade im Rap, war das ganz weit hinten, was die Performance und Bühnenpräsenz angeht.

Wie ist es denn damals dazu gekommen? Ihr wart ja praktisch niemand – und dann seid ihr Support für die größten Rapper der damaligen Zeit …
Smudo: Als uns Sony Music gesignt hat, war ihr Hauptgrund dafür das, was wir live machten. Der A&R Fitz Braum, mit dem wir später unser Label Four Music gegründet haben, hat uns erzählt, dass er mit unserer Musik nichts anfangen konnte – er ist so ein Old-School-Rocker und -Punker – aber er sah uns live und meinte, das kann funktionieren. Deshalb lag der Fokus auf den Auftritten und sie haben versucht, uns überall unterzubringen …
Thomas D: Damals war es noch so, dass die Plattenfirmen den Bookingagenturen teilweise Geld gegeben haben, damit die Künstler auf Tour gehen. Ein Konzert war Promotion für die Platte – das hat sich ja mittlerweile total geändert. Damals war es normal, dass du als Support-Act bezahlst, um spielen zu dürfen.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 12 (Frühling 2018).

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