Letzte Instanz
Andraj Sonnenkalb

Letzte Instanz

Botschaften & Ventile
Immer noch brachialromantisch und gesellschaftskritisch: die Letzte Instanz.

Sie veröffentlichen ihr 13. Album – mit hymnischen Gesangsmelodien, aktuellem Rocksound und gesellschaftlichen Denkanstößen. SCHALL. begab sich mit Sänger Holly Loose in Konversation.

Ziemlich genau 20 Jahre nach dem ersten Album „Brachialromantik“, das eurem Sound bis heute seine Bezeichnung gibt, erscheint  „Morgenland“. Der Titel gibt Interpretationsspielraum. Ich habe den Eindruck eines homogenen Werkes und halte es für einen Spiegel dieser Zeit, der Dinge beschreibt, die in der Welt, aber auch in uns selbst geschehen und vielleicht die verzweifelten bis hoffnungsvollen Versuche, dagegen anzugehen und etwas Eigenes und Positives im Chaos zu schaffen. Trifft es das so ungefähr?
Wow. In der Tat versuchen wir auf jedem unserer Alben, Themen aus dem Makrokosmos, aber auch aus jedem kleinen Mikrokosmos aufzugreifen und zu verarbeiten. Zum Teil geschieht das als Ventil, zum anderen als Botschaft. Auch wenn die Themen „Liebe“ und „Tod“ vielleicht als überladen erscheinen, gibt es einen Bedarf an neuen Gedankenansätzen, die über die schlagereske Themenbehandlung hinausgehen. Dem wollen wir Genüge tun und natürlich Ansätze bieten, die dem geneigten Rezipienten die Möglichkeit geben, weiterzudenken.

Im Song „Schwarz“ ist von einer „mystischen Gefahr“ und einem Unverständnis die Rede. Ich kann mich an Zeiten erinnern, in denen Gothics aufgrund ihres Aussehens verprügelt worden sind, und glaube, dass die Welt nicht wirklich besser geworden ist, was Toleranz und Akzeptanz anderer Lebensweisen angeht …
Natürlich ist es in keiner Weise mehr so krass. Dennoch stoße ich in meinem Umfeld auf Ressentiments und Unsicherheiten. Neulich wollten Freunde von mir unser Konzert nicht besuchen, weil da nur „schwarze Leute abhängen“. Denen musste ich erklären, dass die Goten, egal ob Ost oder West (kleines Wortspiel), fast alle so ziemlich cool sind und netter, freundlicher, respektvoller als manch Normalgermane. Genau die Begebenheit veranlasste mich dazu, einen mit Augenzwinkern zu lesenden Text zu verfassen. Auch die Vorstellung einiger Leute, dass die „Schwarzen“ alle immer traurig und depressiv sind, ist irgendwie, naja, doof ... Ich zum Beispiel halte mich für einen melancholischen Menschen, trotzdem kann ich auch an einer Witzerunde teilnehmen, albern sein oder einfach nur freundlich schauen. Mein Herz hat Ventile.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 11 (Winter 2018).

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