Trick Or Treat
Ron Marzok

Trick Or Treat

Die Zwischen-den-Welten-Vermittler
Trick Or Treat? Mit einer neuen Form Managementagentur ebnen Produzent Bernd Wendlandt und Onlinemarketingspezialist William Andrews Künstlern neue Kreativmöglichkeiten zwischen Mainstream und Underground.

Berlin-Weißensee. Unauffällig, auf einem Grundstück zwischen Reihenhäusern, befindet sich eines der Kreativzentren der deutschen Popmusik. Firmen wie der Produzentenpool Valicon, Musicstarter, RCS Records, eine Booking- und Merchandising-Agentur sowie Valley Art, das Silly-Management, agieren hier. Das Haus ist ein Synergiepool für Kreative. Seit 2014 ist es auch der Sitz von „Trick Or Treat Media“, der neuen Firma von Erfolgsproduzent Bernd Wendlandt, der in seiner fast 25-jährigen Karriere maßgeblich die Erfolge von Künstlern wie Silbermond, Faun, Lena Meyer-Landrut, Glasperlenspiel und vielen anderen verantwortlich zeichnet.

Trick Or Treat – Süßes oder Saures? Der Firmenname klingt ungewöhnlich. Welche Philosophie verfolgt Trick Or Treat Media?
Bernd Wendlandt: Unser Hauptziel sehen wir in der Herausforderung, zwischen den Welten zu vermitteln. Zwischen dem Künstler und der Plattenfirma, also dem Vermarkter. Man ist ja als Produzent nach Abschluss eines Projektes mit einem Künstler aus der weiteren Kette raus. Man ist raus bei der  Liveumsetzung, obwohl man den Act mit entwickelt hat, man ist aus dem inhaltlichen Vermarkten raus, obwohl man die Marke mit aufgebaut hat. Für uns lag die Idee nahe, eine andere Schnittstelle zu kreieren. Weil der Produzent mit dem Künstler zusammen immer ein Ideal herstellt. Man ist inhaltlich auf dem Punkt, man kann die Erfahrung des Produzenten mit in das Produkt geben. Man kann den Künstler beraten, weil man über genügend Lebenserfahrung verfügt. Das alles gemeinsam mit dem Künstler zu entwickeln, und der Plattenfirma ein besseres Gesamtpaket zu bieten, ist die Idee von Trick Or Treat. Schwierig ist es da eher, einen geeigneten Künstler zu finden. Musik und Songs bekommt man von talentierten Songschreibern und Komponisten. Der Künstler, der das transportieren soll, ist der entscheidende Knackpunkt.

Ist ein Künstler gefunden und produziert, offeriert ihr das Produkt Plattenfirmen, verhandelt mit ihnen. Aber wie kann man sich das vorstellen, dass ihr weiter eingebunden bleibt?
Wir versuchen, das Produkt so aufzubauen, dass wir der Firma eine Vision geben wie der Künstler sich darstellt. Gehen sie mit der Idee konform, sind wir Partner. Diese Welt ist die unserer Vision – sie dann zu verlassen, wäre sehr unklug. Wir haben uns schließlich zwei Jahre Gedanken gemacht und sie umgesetzt. In den weiteren Marketingentscheidungen gehen wir sehr partnerschaftlich miteinander um.

Wie zum Beispiel bei den mit – auch eurer Musik – unterlegten Wetterspots auf Nachrichtenkanälen oder in Werbeblöcken.
Es geht da um sehr viel Geld. Das könnten wir als Firma gar nicht allein. Wenn sich allerdings Plattenfirma und TV-Sender dazu entscheiden, Werbepartnerschaften einzugehen, ist das auch dem Produkt geschuldet. Sie würden es sonst nicht machen. Da ist man gut dran, wenn man einen Künstler hat, der besonders ist, auffällig ist und etwas macht, womit sich auch für TV-Sender eine neue Welt darstellt. Denn sie brauchen ebenso neuen Input.   

Neue Typen zu finden, die Genregrenzen zwischen Mainstream und Underground zu überschreiten, scheint dabei eine Herausforderung für Euch zu sein?
Kann man so sagen. The Dark Tenor ist so ein Beispiel. Es gibt ja hunderte Tenöre, die den Musikmarkt abgrasen. Wo ist da noch Platz für ihn, was macht den Künstler besonders, was hebt ihn heraus?  Neue Wege gehen und vor allem neue musikalische Angebote machen – darum geht es! Beim „Tenor“ war es wichtig, ihn gut in dieser Crossover-Welt zu positionieren, ihm aber ein neues Image zu geben. Ein bisschen Phantom der Oper in neu. Nicht so weich, wie andere Tenöre, sondern härter, vom Sound cineastischer. Und ihm dann natürlich mit diesen Maskeneffekt noch ein zusätzliches Marketingtool zu geben. The Dark Tenor – das kann schon etwas besonders sein! Ähnlich auch Ben Richter. Es gibt ja viele sehr gute Pianisten, vor allem mit der Frackattitüde, die wunderbar spielen können. Es gibt aber wenig auffällige Typen unter ihnen! Es geht darum, dem Konsumenten ein Angebot zu machen. Etwas Neues in der Richtung zu erfinden, ist schwierig. Kann man aber dem, was es schon gibt, etwas hinzufügen? Der Ansatz zwischen Klassik und Pop ist so einer. Ich glaube, dass man mit dem Mix auch Zuhörer erreicht, die sich von der Klassik entfernt haben, oder Kids generell an die Klassik heranführen kann.

Der andere Kreativpart bei Trick Or Treat heißt William Andrews. Wie kam es zu der  gemeinsamen Firma?
William lernte ich kennen, als einer seiner Klassik-Künstler für eine Session bei uns im Studio war. Er führte das Management des Künstlers und so kamen wir ins Gespräch. Er erzählte mir, dass er bei der Entwicklung unterschiedlicher Produkte im Bereich Neuer Medien, Marketing und strategischem Management mitgewirkt hatte und Kulturmanagement studierte hatte. Wir entschieden uns, eine Firma mit zwei Säulen aufzubauen: eine musikalische, und als zweites Standbein eine virtuelle durch Onlinevermarktung, wie das Schalten von Werbung vor Musikclips auf Musikkanälen zum Beispiel. So entstehen gemeinsame Schnittmengen, immer mit Blick auf interessante Themen.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 1 (Sommer 2015).

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